Volltreffer

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHöflichkeit, die Kleiderordnung und die Spielregeln guter Manieren bauen uns einen Schutzzaun, ein Frühwarnsystem vor Übertritten, vor Überraschungen. So können wir unbesorgt in die Welt hinausgehen, können Freunde treffen und Geschäftspartner. Wir haben unseren Frieden.

Wer auffällt, fällt auf und bei uns durch, kommt in die Quarantäne-Station unserer Gesellschaft, bleibt unter Beobachtung.  Bis er gleich ist. Oder angepasst. Oder äußerlich unverdächtig. Er bleibt dennoch unter unserer verschwiegenen Kontrolle.  Sozusagen unter Sicherungsbeobachtung. Denn wir müssen mit allem rechnen. Auch mit dem Schlimmsten.

Aus geheimer, jedoch verlässlicher, Quelle wissen wir um die schlimmsten Spekulationen. Wir dürfen nicht drüber reden. Das versteht sich. Ehrensache. Und doch wissen wir, dass unser Unbehagen nicht unbegründet war. Das hätte ins Auge gehen können. Selbstverständlich müssen wir Freunde warnen. Auch wenn wir den letzten Beweis noch nicht haben können. Wie denn auch?

Auffällig schweigsam in einer bemerkenswerten dunklen Ecke. Volltreffer. Wusst´ ich´s doch. Da ist was faul. Sonst stände er nicht so abseits. Von uns, der feinen Gesellschaft. Fein und wachsam. Ja, das sind wir. Dazu stehen wir. Zusammen. Alle.

Im Juli 2013

Einfaches

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEinfaches ist nicht einfach an den Mann oder die Frau zu bringen. Es ist zu einfach. Doch dann beginnt es, seine Geschichte zu erzählen. Authentisch, persönlich, einfach mitreißend echt. Wie viel Leben doch in ihm steckt. Dieses anmutige Wesen, dieses Einfache. Übersichtlich, schön, gut, nah. Wer wäre da nicht bereit, ein paar Euro springen zu lassen? Faszinierend, gut und teuer. Packen Sie´s mir bitte in Folie ein. Es soll ganz einfach ein Geschenk sein. Ein einfaches.

Im Juli 2013

Wabenbeton

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Eleganteste, was die Zeit zu bieten hatte. Die typische Wabenstruktur der Fassade war Ausdruck unserer Modernität, des Zeitgeistes, des Aufbruchs in eine bessere Welt.  Alles unter einem Dach anzubieten, war Ausdruck modernen Handels. Und wir stimmten freudig zu, opferten bereitwillig die wertvollsten Plätze unserer Städte. Der Zukunft eine Chance.

Es war eine nachhaltige Investition. Die Waben trotzen noch heute Wind und Wetter, sind nur ein bisschen grau geworden, ein bisschen unansehnlich und nicht ganz frei von  bröckelnden Elementen. Halb so schlimm, ein feines Netz beschützt den ahnungsvollen Passanten vor Ungemach. Während nebenan unser neues Paradies mit neuem Glanz und überwältigender Größe alles anlockt, was in der Handelswelt Rang und Namen hat, bleibt unser Wabenbeton in seinem Innern seltsam dunkel, kalt und leer. Die Fenster sind verhangen, der Glanz der frühen Jahre ist erloschen. Eine graue Staubschicht bedeckt die einst so verheißungsvollen Auslagen. Seit Jahren. Unter dem Dach der tristen Betonhülle findet unser Warenreichtum einfach keinen Platz mehr. Und etwas anderes auch nicht. Dafür wurde der Koloss nicht gebaut, ist er nicht geeignet. Gebaut als Warenhaus, liegt er der Stadt nun schwer im Magen. Die Zeit läuft eben weiter.

Wir shoppen jetzt unter einem neuen Dach, dem ebenso unerschrockenen, wie zahlungskräftigen Investor sei Dank. Natürlich ist es nicht so wie früher. Eher so: Viel größer, viel schöner, nach einem ganz anderen Konzept, mit einer ganz anderen Auswahl und flexibel bis zum Umfallen. Eben ganz anders als früher. Ein Warenhaus ist gegen unser Einkaufszentrum, na sagen wir mal, eine „Hundehütte“ (die Hunde mögen´s mir verzeihen). So baute man eben damals.

Heute baut man anders. Zukunftsweisend. Und: Ein großes Haus gehört mitten in die City, ins Herz der Stadt. Schließlich sind die Kunden praktisch schon da und außerdem und an erster Stelle soll ja ein lebendiger urbaner Raum entstehen, mit einer großen Vielfalt an Waren- und Dienstleistungen, einladend, freundlich, gut zu erreichen und richtig attraktiv. Ja, die Handelsstruktur im Umfeld verändert sich. Das zeigt unsere Erfahrung. Erwiesen ist aber auch, dass die Ansiedlung unseres Zentrums zahllose Investitionen auslöst. Plötzlich werden auch diejenigen aktiv, die meinten, in wenig attraktiven Räumen dösend auf Kunden warten zu können. Neuer Wettbewerb führt zu neuen Aktivitäten. Und so weiter.

Ein großer Schritt in die Zukunft. Und doch beschleicht uns eine böse Ahnung, dass unser neuer Tempel einmal gottlos werden könnte, aus der Mode kommen, abgeschrieben, überflüssig und zu teuer werden könnte.  Ja, große Dinge zeigen große Wirkung. Oder sie bedeuten großen Aufwand. Mitunter zu großen. Nicht heute, sondern morgen. Wenn die Erträge nicht mehr die Kosten decken, wenn der Leerstand günstiger als ein Abriss wird? Wenn die Dividenden längst geflossen sind, wer  befreit dann die Herzen unserer Städte von Häusern, neben denen Warenhäuser das Format einer Hundehütte haben?  Sehen wir uns wirklich in der Verpflichtung, heute die Bausünden von morgen zu begehen, ohne die unsere Nachkommen nicht mit dem Fingerzeig auf unsere Bausünden davon ablenken, dass sie just in dem Moment wiederum ihren Nachfolgern in gleicher Weise Unverdauliches auftischen, an denen noch Generationen zu knabbern haben?

Jede Betriebsform und jede Investition ist willkommen. Der Wettbewerb wird´s richten.  Niemand darf aber aus der Verantwortung für sein Handeln entlassen werden. Wer mit dem Versprechen, die Innenstadt zu beleben, antritt und wem das Herz der Stadt anvertraut wird, der muss dafür sorgen, dass es auch morgen noch schlägt. Wann denn das, mag man fragen, und wie ist das überhaupt möglich? Heute, wann sonst, ist die einzige Antwort. Denn allein heute fließen die Erträge, aus denen der Abriss und die Beseitigung des Objektes überhaupt finanziert werden können, die ansonsten der kommenden Generation zur Last fallen.

Morgen, wenn die Erträge einbrechen, und ein neues Konzept unsere Gesellschaft an anderer Stelle fesselt, ist es zu spät. Wir sind es unseren Nachkommen schuldig, über den Tag hinaus zu denken und den „Verursacher“ heranzuziehen, so lange er greifbar ist. Am besten gleich mit der Baugenehmigung. Das sollte rechtlich möglich sein oder werden. Nach Finanzierungsmodellen, in die wir vielleicht noch etwas Phantasie stecken müssen, so wir nicht auf die bereitwillige Hilfe der Investoren vertrauen dürfen. Sie werden ihre Vorhaben anders rechnen müssen als in der Vergangenheit. Sie werden unsere Nachkommen in ihre Kalkulation einbeziehen müssen, eine Generation, an die wir hohe Erwartungen stellen. Unsere Kinder haben Lasten genug zu schultern. Unsere Sünden, die Sünden der Vergangenheit. Eine weitere sollten wir ihnen ersparen: Wabenbeton der modernen Art.

Juli 2013

Zu grell

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGrelles Licht. Das heißt nichts Gutes. „Die Sonne scheint falsch“, so hieß das damals. Danach wurde es todsicher ungemütlich. Regen, Wind, Kälte. Ja, „schlechtes Wetter“ hielt Einzug, vergällte uns den Tag. Aber Blendwerk täuscht uns heute nicht mehr. Wir wissen Bescheid, geben uns keinen falschen Erwartungen hin. Haben´s einfach schon zu oft erlebt. Keine Chance.

Ein unerwarteter Anruf. Eine Auszeichnung erwartet mich. Mit Urkunde und Trophäe. Und Applaus. Gerne, ja, ich stehe gerne zur Verfügung. Und darf mich noch herzlich bedanken. Hochstimmung pur. Ich wusste es doch immer: Irgendwann würde mein Einsatz seine verdiente Anerkennung erfahren.

Feierlich geht´s zu. Sogar die Prominenz ist da. Oder zumindest vertreten. Ja, komplett vertreten. Schöne Worte aus der Feder versierter Redenschreiber. Bewundernswert die Routine. Ich bin ergriffen. Dankbarkeit steigt in mir auf. So nette Worte, so klug und so wohltuend. Darauf einen kühlen Sekt. Hände schütteln. Glückwunsch und so. Die vertretene Prominenz verabschiedet sich. Tiefes Bedauern, andere Termine, volles Verständnis. Der Raum leert sich. Ich umschließe meine Urkunde und die Trophäe in meiner kleinen Seligkeit ganz fest.

Und das alles meinetwegen. Doch, man muss es auch so sehen: Die Redner haben glänzend dagestanden, vor ihrem Publikum. Haben den richtigen Ton getroffen, das Herz. Gut gemacht. Bravo. Feine Menschen. Große Persönlichkeiten.

Ich raffe meine Sachen zusammen. Draußen hat der Wind zugenommen, treibt dunkle Wolken durch die Stadt.  Ein eisiger Schauer läuft mir über den Rücken. Ich bin wieder hellwach. Das Licht. Ich Idiot. Es war einfach zu grell.

Juli 2013

Mancher Mann

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWenn mancher Mann wüsste, wer mancher Mann wär´, 
gäb´ mancher Mann manchem Mann weniger Ehr´. Er weiß es aber nicht und wird´s wohl nie wissen. Und wenn er´s wüsste, er würd´s nicht glauben. Und was er nicht glaubt, stimmt nicht.  Ganz bestimmt nicht. Das wüsste er.

21. Juli 2013

Denk mal

0010KleinDer ist einfach nur genial gut. Modern, durchsetzungsstark, eloquent und schon gar nicht von gestern. Gerne geben wir. Wird schon richtig sein. Denn andere tun´s ja auch. Große Namen. Wir sind in feiner Gesellschaft. Beispielhaft. Ein Beispiel für Deutschland. Ein Beispiel für die Welt. Zweifellos. Mit unserem Geld wird Gutes getan. Für die Schwachen und natürlich für uns. Aber das ist nebensächlich.  Der Erfolg wird sichtbar, er wächst aus dem Boden. Bald schon wird es fertig sein.  Unser Haus. Unser Denkmal, ein Zeichen des Gemeinsinns. Wir glauben ganz, ganz fest dran. Und an ihn. Augen zu. Der ist einfach nur genial gut.

21. Juli 2013

Viele bunte Alte

SAMSUNG OMNIA7_000975Wir werden weniger, bunter und älter. Auf der Kundenseite, wie auch beim Personal. Das ist die so gar nicht froh gemeinte Botschaft an unsere Handelstreibenden. Werden aber nun die Jungen älter oder die Alten bunter? Oder vielleicht sogar die Alten jünger?  Und haben wir zukünftig weniger Junge und mehr junge, bunte Alte?

Ja, wir brauchen schon ein paar kluge Köpfe, um Ordnung in unsere Gedanken zu bringen. Denn das Verwirrspiel zieht weitere Kreise: Gehandelt wird auf allen Kanälen: Im Fachhandel, im Markenstore, in Filialen, auf Märkten und Messen und schließlich auch im Wege des Versandhandels, per Katalog, Inserat und Internet. Und auch dies ist nur die eine Seite, nämlich die des Verkäufers. Was passiert beim Käufer? Wird er nur alt und bunt, oder „tickt“ er morgen auch anders? Und wo steckt er und wie können wir ihn zum Kauf verführen?

Was wollen wir künftig überhaupt für ihn tun? Ihm Waren über die Theke reichen oder als „Service“ deklariert dienstbeflissen zustellen? Ist dieses Geschäft nicht längst in fester Hand des komfortablen Online-Handels und seiner „göttlichen“ Boten, die auf halsbrecherischen Kleintransporter-Touren millionenfach in Kartonagen verpackte Luft zu den entlegensten Ortschaften karren, um sie mit der bestellten Ware beim Nachbarn des todsicher gerade abwesenden Bestellers abzuliefern? In rekordverdächtiger Zeit? Bisweilen selbst am Rande des finanziellen Ruins?

Was zählt unser Rat als gut informierter Händler in einer Zeit, in der der Kunde mit einem Wissens-Overkill das Geschäft betritt, darauf lauernd, den erstbesten Fachberater mit soeben im Online-Shop angelesenem Spezialwissen an die Wand zu spielen?  Spezialwissen zu dem von ihm begehrten Produkt? Einem der Millionen Produkte des Gesamtsortiments? Armer Fachberater. Du bist von vornherein chancenlos. Oder richtig gut. Bis der Kunde zielsicher eine App(lication) seines Smart-Phones aktiviert und neue Fakten präsentiert. Einmal tief durchatmen bitte. Ja, das stand nicht auf dem Stundenplan unserer Ausbildung, die nun auch schon ein paar Jahre zurück liegt. Und doch sprechen wir hier von einer vergleichsweise günstigen Ausgangslage: Immerhin hat ja der Kunde den Weg in den Handel vor Ort gefunden und nicht gleich im Internet bestellt. Hier hat der Händler noch die Möglichkeit, ihm das gute Gefühl zu vermitteln, dass das eine sehr gute Entscheidung war.

Wie sieht es aber mit den Kunden aus, die kein Vertrauen zum Händler aufbauen können, weil sie ihn ja gar nicht mehr kennen oder ihn nie kennen gelernt haben? Was wirkt bei dem Kunden, an dem alle Versuche, mit Emotionen Bindungen aufzubauen, scheitern? Was ist mit den Käufern, die sich offline als komplette Versager  herausstellen? Klar, es liegt nahe, diese online, also auf ihrer eigenen Wellenlänge, anzusprechen. Shop-Betreiber wissen aber nur zu gut, dass der Ruin schneller eintreten kann, als erwartet. Spätestens jetzt kennzeichnet geräuschvolle Ratlosigkeit die mit klugen Ratschlägen glänzende Beratergilde. Das darf man ihr nicht einmal verübeln, weil sie ja berät und nicht Handel treibt. Guter Rat wird an dieser Stelle schon fast zu teuer.

Was bleibt: Wir  müssen wohl bescheiden sein: Die Kosten im Griff halten, die Entwicklungen genau beobachten, den Puls des Kunden spüren, unser Personal mit ganz anderen Augen sehen und in der Dienstleistung Perfektion anstreben. Flüchtigen Empfehlungen nachzurennen, könnte die Kraft kosten, die nur durch Ruhe zu gewinnen ist.

Die Strukturverschiebungen im Handel sind offenkundig. Und wir alle werden überrascht sein, welch unerwartet neue Chancen sich in dieser Umbruchphase auftun werden. Nutzen werden sie diejenigen, die sich nicht an falscher Stelle haben aus der Reserve locken lassen. Was passiert etwa, wenn die Differenzierungsmöglichkeiten im Internet erlahmen, wenn eine perfekter Shop und ein perfekter Service längst Standard bei Online-Anbietern sind? Was passiert, wenn nur noch der Preis zählt? Wenn ein Großteil der aufstrebenden Online-Adressen aus dem Markt ausgeschieden sind? Wenn „Platzhirsche“ das Geschäft dominieren? Dann beginnt der Handel der nächsten Generation. Warten wir´s aktiv ab. Gutes Personal, Kapital und die Grundtugenden eines guten Händlers sollten sich dann auszahlen.

Drehschwindel

0286KleinNasskalter Schnee legt sich auf das welke Laub des verblichenen Sommers. Das kurze spätherbstliche Aufleuchten warmer, tiefer Farben ist vorbei. Fahles Licht vermag nicht mehr, als die langen Nächte ein wenig aufzuhellen. Das Leben hat sich zurückgezogen, es hält inne, zieht Bilanz. Und im Verborgenen, in jeder Krume des Bodens, richtet es sich auf das Warten ein, das besinnungsvolle Warten auf die Chance, neu zu erblühen. Unbelastet vom Ballast des Jahres, den es abgeworfen hat und der nun in den Furchen und Rändern verrottet.

Und wir? Wir machen weiter wie bisher. Nein. Der Winter schreckt uns nicht, ihn haben wir längst im Griff.  Wir heizen aus unserer Erde Öl, verfeuern unsere Schätze und haben es warm. Nein, die Jahreszeit, die macht uns keine Sorgen.

Und ansonsten, was könnte denn sonst noch problematisch sein? Naja, die Politik ist schlecht und ungerecht und es wird alles nicht besser. Aber sonst? Sonst nichts!? Wir machen weiter wie bisher. Tagtäglich, tagtäglich ertragen wir den Stress, nähren uns hastig, verflüchtigen unser Leben im Rhythmus unserer schnellen Welt. Besinnungslos sitzen wir im Riesenrad der Zeit, an dem ganz andere drehen. Aussteigen erscheint zwecklos, die Landung hart. Und doch wäre es uns bisweilen wohler, diese Fahrkarte nicht gelöst zu haben, nicht in diesem Karussell zu sitzen, das täglich neue Opfer aus der Bahn wirft, abgelöst von der Zentripetalkraft der Rotation, hinausgeworfen auf den Boden, der allein uns sicher ist und dem wir doch so gerne entkommen wollten.

Drehschwindelig taumeln wir durch eine bunte Welt, in der nur der Sommer zählt. Glanz und Glamour, Farbe und Spiel rauben uns die Sinne, mit Krediten und Betrug entfacht zu grellem Schein. Von Herbst ist keine Spur und nicht von Winter. Basta. Es gibt sie nicht und nicht die Chance, neu zu erblühen. Wir rasen ohne zu rasten. Und drehen uns mächtig im Kreise. Unter uns der Boden, dieser verdammt verlässliche Freund.

Die Neue

OLYMPUS DIGITAL CAMERADa sitzen sie. Was sage ich, sitzen? Sie fläzen sich. Mehr liegend oder gar nicht in der Reihe. Kaugummi kauend. Verunstaltet durch Piercings, Kappen und Make-up aus dem Baumarkt. Das kann ja heiter werden. Die erste Stunde entscheidet. Sie zeigt denen erst mal, wo´s lang geht.

Der Erfolg ist mäßig, die Reaktion müde. Es steht unentschieden. Aus dem dumpfen Scharren, Schaben, Murmeln und Schwatzen wabern Gesprächsfetzen, vulgär, provokant, lauernd auf die Reaktion der Neuen, doch sicher versteckt unter der fremden Vielzahl verschlossener Gesichter.

Kein Zugang heute. Vielleicht später. Vielleicht öffnet sich in ein paar Tagen die eine oder andere Tür, gibt einen kleinen Spalt frei, gewährt Einblick in eine ihr nicht mehr vertraute Welt, in die jungen Erfahrungen und Empfindungen und Träume der ihr auf Zeit zur Lehre anvertrauten Wesen. Warten auf morgen.

Access denied

0267KleinEilige Schritte, flüchtige Gestalten schweben vorbei. Eingehüllte Paare, Verliebte, Verkrachte, Gedankenlose und Versunkene, Lauernde und Suchende. Arme und Reiche, strömen unablässig über das Trottoir. Gauner darunter. Wie viele? Ich weiß es nicht.

Zwischen uns die Scheibe. Ich drinnen, die draußen. Ich warte. Irgendwann tritt eine Gestalt ein. Wann? Irgendwann, früher oder später. Stumm suchend, bescheiden höflich, mitunter auch laut fordernd. Sie legt ihre Maske nicht ab, bleibt mir ein Rätsel. Wenige geben sich ein Gesicht, schenken mir ein Puzzlestück ihrer Persönlichkeit. Selten werden Ware und Kunde eins.

Ich warte wieder. Im Nacken meine Bankschulden, vor mir die nächste Ladenmiete und haufenweise schwer verkäufliche Ware. Ich möchte schreien. Diese gesichtslose Masse möge mir endlich erklären, was sie will. Warum all meine Anstrengungen nicht fruchten. Warum das alles vergebens sein soll. All die Aufwendungen, die langen Arbeitstage, sechs Tage im Geschäft und einer zuhause, der Verzicht auf den letzten Rest einer so genannten Freizeit. Meine Phantasie, meine Freundlichkeit, meine Beflissenheit im Kampf um König Kunde.

König Kunde will gar nicht mehr bedient werden. Er ist nicht einmal mehr Kunde. Hat kein Geld mehr, hat´s ausgegeben, verplant oder nie gehabt. Sein Reich wird geschlossen.