Gepiercte Geschöpfe

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEine schwarz- bunte Mischung gepiercter Geschöpfe hockt am Diensthäuschen des städtischen Linienbusunternehmens. Paradiesvögel ohne Paradies. Gleich ganz anders und irgendwie doch gleich. Aufenthalt am Rande des Trottoirs und im Schmutz unserer sauberen Gesellschaft. Ihre rot und grell gefärbten Hahnenkämme, ihre genagelten Accessoires, ihre angezogenen Fetzten und ihre lila-schwarz bemalten Augenhöhlen signalisieren Abstand. Von uns, die höchst aufmerksam passieren. Fremd sind sie uns. Ihre Sprache, ihr Aussehen, ihre Ausstrahlung kennen wir nicht. Sie widersetzen sich unserem Ordnungssinn mit den vielen Schubladen, in die wir Menschen einzuordnen pflegen. Ganz weit weg sind sie. Unsere Phantasie versucht, ihre Wege zurück zu verfolgen. In dunkle Höhlen, in Gruften mit Kerzenschein oder schlicht in verwahrloste Behausungen. Doch selbst da sind wir nicht sicher. Ist es gar Mode? Nichts weiter als eine Modeerscheinung mit einem Hauch Stoff und Alkohol? Vielleicht ein bisschen „Jugend von heute“, nur viel schlimmer, so wie es mit jeder Generation aus unvordenklicher Zeit immer schlimmer geworden ist? Es ist eine eigene Gesellschaft in ihrer eigenen Zeit, mit Gewinnern und Verlierern, reserviert gegenüber der Welt, die wir ihnen bereitet haben, vielleicht auch ohne die Chance, die wir ihnen hätten geben müssen.

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