Volltreffer

Höflichkeit, die Kleiderordnung und die Spielregeln guter Manieren bauen uns einen Schutzzaun, ein Frühwarnsystem vor Übertritten, vor Überraschungen. So können wir unbesorgt in die Welt hinausgehen, können Freunde treffen und Geschäftspartner. Wir haben unseren Frieden.

Wer auffällt, fällt auf und bei uns durch, kommt in die Quarantäne-Station unserer Gesellschaft, bleibt unter Beobachtung.  Bis er gleich ist. Oder angepasst. Oder äußerlich unverdächtig. Er bleibt dennoch unter unserer verschwiegenen Kontrolle.  Sozusagen unter Sicherungsbeobachtung. Denn wir müssen mit allem rechnen. Auch mit dem Schlimmsten.

Aus geheimer, jedoch verlässlicher, Quelle wissen wir um die schlimmsten Spekulationen. Wir dürfen nicht drüber reden. Das versteht sich. Ehrensache. Und doch wissen wir, dass unser Unbehagen nicht unbegründet war. Das hätte ins Auge gehen können. Selbstverständlich müssen wir Freunde warnen. Auch wenn wir den letzten Beweis noch nicht haben können. Wie denn auch?

Auffällig schweigsam in einer bemerkenswerten dunklen Ecke. Volltreffer. Wusst´ ich´s doch. Da ist was faul. Sonst stände er nicht so abseits. Von uns, der feinen Gesellschaft. Fein und wachsam. Ja, das sind wir. Dazu stehen wir. Zusammen. Alle.

Im Juli 2013

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.