Zu grell

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGrelles Licht. Das heißt nichts Gutes. „Die Sonne scheint falsch“, so hieß das damals. Danach wurde es todsicher ungemütlich. Regen, Wind, Kälte. Ja, „schlechtes Wetter“ hielt Einzug, vergällte uns den Tag. Aber Blendwerk täuscht uns heute nicht mehr. Wir wissen Bescheid, geben uns keinen falschen Erwartungen hin. Haben´s einfach schon zu oft erlebt. Keine Chance.

Ein unerwarteter Anruf. Eine Auszeichnung erwartet mich. Mit Urkunde und Trophäe. Und Applaus. Gerne, ja, ich stehe gerne zur Verfügung. Und darf mich noch herzlich bedanken. Hochstimmung pur. Ich wusste es doch immer: Irgendwann würde mein Einsatz seine verdiente Anerkennung erfahren.

Feierlich geht´s zu. Sogar die Prominenz ist da. Oder zumindest vertreten. Ja, komplett vertreten. Schöne Worte aus der Feder versierter Redenschreiber. Bewundernswert die Routine. Ich bin ergriffen. Dankbarkeit steigt in mir auf. So nette Worte, so klug und so wohltuend. Darauf einen kühlen Sekt. Hände schütteln. Glückwunsch und so. Die vertretene Prominenz verabschiedet sich. Tiefes Bedauern, andere Termine, volles Verständnis. Der Raum leert sich. Ich umschließe meine Urkunde und die Trophäe in meiner kleinen Seligkeit ganz fest.

Und das alles meinetwegen. Doch, man muss es auch so sehen: Die Redner haben glänzend dagestanden, vor ihrem Publikum. Haben den richtigen Ton getroffen, das Herz. Gut gemacht. Bravo. Feine Menschen. Große Persönlichkeiten.

Ich raffe meine Sachen zusammen. Draußen hat der Wind zugenommen, treibt dunkle Wolken durch die Stadt.  Ein eisiger Schauer läuft mir über den Rücken. Ich bin wieder hellwach. Das Licht. Ich Idiot. Es war einfach zu grell.

Juli 2013

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.