Kühlschrank bei Nacht

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVerschlossen. Er bleibt zu. Fasten mit System. Schlanke Schönheit wie von selbst.  Wie im Schlaf. Wenn ich nur schlafen könnte. Und fasten. Oder wenigstens schlafen. Ich stehe auf. Lenke mich ab. Bloß nicht an den Schlaf denken. Dann kommt er von allein. Und wandle durch die Räume, blass belichtet, der Laterne sei Dank. Vorbei an der offenen Tür. Zur Küche. Mal kurz hinein. Zum Fenster. Sinnend über Gott und die Welt und die Nachbarn. Alle in friedlichem Schlummer. Bis auf einen. Der Magen knurrt. Kleines Glück zum Greifen nah. Verschlossen. Sicher? Nur zur Kontrolle. Die Tür schwingt auf. Ein Paradies erstrahlt. Verbotene Früchte. Verdammt noch mal.

Einspurig

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWer auf unseren Straßen radelt, sollte seine Schutzengel mobilisieren.  Er wird sie brauchen. Wenn sich ein „zweispuriges“ Fahrzeug von hinten nähert und eines von vorne. Dann wird´s eng. Vorbeifahren klappt nicht. Dafür ist er zu schnell. Hinterher fahren? Inakzeptabel. Überholen liegt in der Luft. Aber wie? Aber wann? Noch vor dem Gegenverkehr oder danach? Oder vielleicht in ihn hinein? Dreispurig, belegt von zwei Zweispurigen und einem Einspurigen? Bei der ersten Variante wird´s vorne knapp. Für die Zweispurigen. Bei der zweiten hinten. Für den Einspurigen. Bei der dritten für alle.

Irreparabel

OLYMPUS DIGITAL CAMERADesign muss es sein. Alles andere ist Kosmetik. Hier der Kitt, dort die Farbe. Es wird geschnibbelt, getüncht und geflickt. Ein aussichtsloses Unterfangen.

Er bleibt zweite Wahl. Ein Mensch ist nur ein Mensch. Und der hat Macken. Außen und innen. Nie perfekt. Verletzlich und verletzend. Strebend ohne Ziel. Glücklos auf dem Wege zum Glück. Rätselnd. Sich selbst und anderen ein Rätsel. Er hat zu viele Väter, hat kein Profil, ist selten richtig schlau und selten richtig schön. Perfektion: Fehlanzeige. Auf höchstem Niveau unvollkommen. Irreparabel.

Klare Botschaft: Radikal aufräumen. Altes Erbgut weicht neuem Design. Perfekte Perfektion. Schön und schlau. Schön schlau. Vollkommen. Bald ist´s so weit. Das neue Modell ist da. Die Kosmetik hat ausgedient. Erste Wahl braucht keine Farbe.

Eigenschaften wie wir sie wünschen. Design höchster Vollendung. Eine Gestalt, wie sie uns gefällt. Ein heller Geist. Makellos. Unser Werk. Irreparabel.

Respekt

OLYMPUS DIGITAL CAMERASie schuften in den Gräben. Im Lärm ihrer Maschinen, im Staub, den ihre Bohrhämmer aus dem Stein lösen. Verschmutzt und verschwitzt. Ausgeliefert dem Pöbel, der sich über sie erhebt. Sie geben sich, ihre ganze Kraft und ihre ganze Zeit. Weil der Lohn gering ist. Zum Leben und Überleben. Für sich und ihre Familien. So lange sie können. Für das bisschen Luxus. Abgeordnet, hin gekarrt und angewiesen. Registriert und verwaltet. Gesichtslose Nummern für die Personalverwalter. Ausgebucht, wenn ihre Kraft nachlässt. Manövriermasse für ein Geschäft, das andere machen.  Respekt. Bitte.

Ungeboren

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Frau gehört an den Ofen. Den Hochofen. Oder zumindest in die Produktion. Oder ins Büro, in den Handel, die Altenpflege oder Lehre. Jedenfalls geht es nicht mehr ohne sie. Und nicht ohne die, wer hätte das gedacht, die „älteren Arbeitnehmer“.  Der Demographie sei Dank, konnte dieser  unermessliche Schatz der Älteren, nicht nur an die Luft, sondern nun auch ans Licht befördert werden. Die Erfahrung zählt. Haben wir es nicht immer schon geahnt? Und dann gibt es noch die Jungen mit den schlechten Manieren, den schmutzigen Fingernägeln, der nachlässigen Sprache und Lücken auf allen Gebieten schulischer Leistungen. Wir fangen sie ein. Wir fangen sie auf. Wir geben ihnen ein Zuhause in unserer Wirtschaft, lassen sie in unsere Gesellschaft einsteigen. Wir brauchen sie. Der Demographie sei Dank.

Sorgt euch um den Nachwuchs. Wir sagen es der Industrie, der Spedition, dem Handel und dem Hotelier. Wir sagen es allen. Allen, die sich um die Besten balgen müssen und bald auch um die Schlechten. Wir empfehlen ihnen, ihr Image zu polieren. Wir raten, zu qualifizieren. Wir raten und raten. Und raten noch heute, wo denn nur der Nachwuchs bleibt. Er bleibt ungeboren.

Schmeicheleien

0121KleinSchmeicheln ist billig. Doch der Geist ist schwach. Wir denken. Wir handeln. Wir wissen, was wir tun. Wir handeln nach der Vernunft. Nach unserer Vernunft. Nach dem, was uns vernünftig erscheint. Wir zweifeln nicht, das Richtige zu tun. Und doch wissen wir um unsere Grenzen und um unsere Möglichkeiten. Eitel sind wir nicht. Vielleicht ein bisschen. Wie alle. Bestimmt nicht mehr. Und doch bestimmt zu viel, als dass die billige Methode nicht auch bei uns auf fruchtbaren Boden fiele. Geschmeichelter Geist schwächelt eben ein bisschen.

Keine Sorge

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir fliegen einen strammen Kurs. Ins Ungewisse. Doch keine Panik. Nie war die Zukunft gewisser als ungewiss. Nie haben sich die Menschen vor dem Ungewissen unbekümmert gezeigt. Nie waren sie sorgenlos. Deshalb machen wir uns keine Sorgen darüber, dass wir sorgenvoll in die Zukunft sehen. Das ist normal. Nicht ungewöhnlich. Es ging trotzdem immer weiter. Auf wundersame Weise. Mitunter auf grausame. Was wird, wenn unsere neuen digitalen Lebensadern vergreisen, den Dienst versagen? Don´t worry. Halb so schlimm, die Spezialisten werden es richten. Wenn sie denn da sind. Wo sind sie denn, die, die noch verstehen, was wir uns in Jahrzehnten digital zusammengestrickt haben? Wo? Sie ist ganz normal, unsere Zukunftssorge. Sorgen wir uns also nicht.

Ergebenst

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir haben sie geschaffen. Kleine und große Helferlein. Digitale Segnungen. Blitzschnelle Prozesse. Unbegreiflich schnell und präzise. Wunderwerke.  Sie helfen uns, sie erfreuen und beschäftigen uns. Sie lenken uns. Und sie geben den Takt an. Moderne Zeiten. Wir verneigen und ergeben uns. Ergebenst.

Ich

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch bin gefragt. Mein Wort wiegt. Mein Bild in den Medien. Mein Name: bekannt. Ich bin wer. Wer auch immer. Was auch immer. Wo auch immer. Wer hat da noch Fragen? Wenn es doch so gut tut?

Sonne bis zum Umfallen

OLYMPUS DIGITAL CAMERASonne bis zum Umfallen. Hitze bis zum Unerträglichen. Hell war´s, schwül wurde es. Verschwitzt und abgekämpft nach geruhsamen Tagen des Nichttuns. Das war unser Urlaubs- Sommer. Kurz und nicht ganz schmerzlos, nach einem schier ewig währenden Wetterauftakt aus klammer Kälte, die uns tief in die Knochen gekrochen war.

Und heute? Regen. Endlich. Ein Schauer treibt den nächsten. Grau verhangen ist der Himmel, düster nach all den gleißend hellen Tagen. Der Herbst ist noch fern und schickt doch erste Vorboten zu uns, Botschafter der Zeit des Abwartens, der geduldigen Sehnsucht nach ein bisschen mehr Licht, nach Wärme. Und Sonne bis zum Umfallen.