Amtsgewalt

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEr hatte gewonnen. Seiner Amtseinführung wohnten alle Honoratioren bei. Er gehörte nun dazu, war einer von ihnen. Standesgemäß waren Büro und Dienstwagen. Er saß nun hinten, der Chauffeur vorne. So gehörte sich das. Eine wohltuende Distanz für großzügige Gesten. Er wuchs in seiner Achtung. Die ersten Entscheidungen waren ungewohnt. Er brauchte niemanden zu fragen. Das lernte er schnell. Er wurde hofiert. Von den Schmeichelnden. Er genoss es. Er war wer. Sein Wort galt. Er unterschied Gut und Böse, richtig und falsch. Er. Er gefiel sich. Ihm war es recht. Alles. Es war so schön.

Die Mitarbeiter waren ihm wichtig. Er brauchte sie. Er hatte keine Ahnung. Vom Geschäft. Brauchte sie auch nicht. Hatte jetzt seine Leute. Aber Mitarbeiter mäkeln. Ein alter Hut. Unter Führungskräften. Disziplinieren. Ja, man muss zeigen, wer Herr im Haus ist. Dann gibt´s Ruhe.

Es blieb unruhig. Dass Menschen so uneinsichtig sein könnten, war ihm bis dahin verborgen geblieben. Er versuchte es mit seinen guten Ratschlägen. Dann mit verdeckter Drohung, mit Nachdruck und gespieltem Verständnis. Es half nicht. Er bediente die Schmeichelnden und verstand die Welt nicht mehr. Er befahl. Bewegung gab es nicht. Dann gab er auf. Er hatte sein Amt. Und nichts dazugewonnen.

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