Vier Kinder

OLYMPUS DIGITAL CAMERADa sitzen sie nun. Am Tischcarrée, weiß gedeckt, Bier, Wasser, die Teller halb geräumt. Sie erzählen und fragen. Kurze Antworten, längere Erklärungen. Alltägliches wird aufbereitet, so dass es die Geschwister verstehen. Die Runde ist über fünfzig. Jeder von ihnen. Alle leben seit mehr als einem halben Jahrhundert, ein paar schon bedeutend länger. Hier sind sie angekommen. Jeder auf seinem Weg. Aber sie sind hier. Alle. Jeder trägt seine kleine Welt an erlebtem Glück, an Niederlagen und Enttäuschungen in sich. Und mit sich. Und gibt Stückchen davon preis. Der Runde. Wohl portioniert. Gemeinsam aufgewachsen, das wirkt fort, verweist jeden auf seinen Platz, teilt zu wie damals.

Auf ewig verbunden durch genetische Spuren. Zu Persönlichkeiten geformt nach der Laune der Eltern, nach deren Möglichkeiten und Grenzen. Den Rohschliff haben sie sich selbst gegeben. Untereinander, miteinander und gegeneinander. Von klein auf, heranwachsend und später. Sie waren sich „spinnefeind“ und „bester Kumpel“. Sie haben sich gefetzt und verschworen. Viele hundert Male. Wechselnde Koalitionen, wechselnde Ansichten und Einsichten, Turbulenzen des Heranwachsens, tiefe Empfindungen. Die eigenen Wege haben sie auseinandergetrieben. Für immer.

Vier neue Familienstämme. Vier Kinder. Am Tischcarrée.

August 2008

 

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