Vorgeschrieben

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Grundgesetz. Die Pressefreiheit wird gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Von Staats wegen. So steht es dort. Im berühmten Artikel 5.

Dann schreibt mal schön. Wer hindert euch? Die Zeit. Sie ist zu kurz? Für all die Mails? Für die Texte der Vielen, die ihr nicht übersehen dürft? Für Namen, die nicht fehlen dürfen? Für Botschaften, die zu transportieren als eure Pflicht erscheint? Und dann noch politisch korrekt, bitte?

Ihr tut, was ihr könnt. Seid an Weisungen nicht gebunden. Weisungsfrei. Niemand nimmt euch die Freiheit. Das ist Ehrensache. Und ein Bekenntnis zu einem der höchsten Güter, die eine Gesellschaft haben kann: der Pressefreiheit.

Wir lesen, was wir lesen sollen. Was jemand sich erdacht. Was er uns sagen will. Unverfälscht. Authentisch. Auf Wirkung bedacht. Geschaffen, ihm zu dienen. Wer schreibt, der bleibt. Wenn er zahlt. Egal wie, egal wann. Mächtig. Macht macht´s billig. Nicht gut.

Nicht willens, aber willfährig steht ihr ihm zu Diensten. Pressefreiheit. Ihr seid so frei. Es ist so vorgeschrieben.

Im Mai 2014

TTIP21

OLYMPUS DIGITAL CAMERALogisch. Wo der Aufwand sinkt, steigt der Ertrag. Transatlantisch. Für die Amerikaner und die Europäer. Wir werden reicher, wenn erst die Handelshemmnisse abgebaut sind. Zölle werden auf Null gesetzt. Wir messen nicht mehr mit zweierlei Maß. Künftig wird nur noch einmal genormt und geprüft. Entweder in den USA oder bei uns, im guten alten Europa. Natürlich bei gleichem Schutzniveau. Für unser Leben. Für unsere Gesundheit, für unsere sozialen Errungenschaften und unsere Umwelt.  Niemand muss ein Absenken der Standards befürchten. Hüben wie drüben. Wo also ist das Problem? Weshalb gehen so viele Gruppierungen derzeit auf die Barrikaden?

Die zwischen der Europäischen Union und den USA seit Juli letzten Jahres laufenden Verhandlungen über eine transatlantisches Handels- und Investmentabkommen (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP),  spaltet die Gesellschaft. Während die Wirtschaft, allen voran der BDI, der VDMA und der DIHK, die geplanten Handelserleichterungen ausdrücklich unterstützen,  schwelt bei so mancher Gruppierung, mögen es Verbraucherschutzvereinigungen oder Umweltorganisationen sein, ein tiefes Unbehagen gegenüber dem, was da kommen soll. So befürchtet der Deutsche Gewerkschaftsbund schlicht negative Folgen auf die Arbeits-, Einkommens- und Lebensbedingungen.

Da scheint die umfassende Aufklärungsarbeit der EU nicht zu fruchten. Die Kommission lässt keinen Zweifel daran, dass sie nicht gewillt sei, beim Abschluss des Abkommens Einbußen  für EU-Bürger hinzunehmen. Sie erklärt, keinem Land der EU werde ein Regelwerk aufgezwungen. Sie sagt, am Ende seien allein das EU-Parlament und die einzelnen Mitgliedsstaaten befugt, die ausgehandelten Papiere in Kraft zu setzen. Allein, das alles reicht offenkundig nicht aus, um die Gegner umzustimmen.

Schlimmer noch: Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir womöglich erst am Anfang einer breiten Widerstandsbewegung gegen das Freihandels- und Investitionsschutzabkommen stehen könnten. Wer das ignoriert, ohne sich den ausgesprochenen Sorgen zu öffnen, ohne zu unterscheiden, wer mit seinem Widerstand nur „sein eigenes Süppchen kocht“ und wem es der Sache wegen ernst ist, der läuft Gefahr, dass am Ende die auch aus Gründen der geopolitischen Balance der wirtschaftlichen Kräfte sinnvolle Stärkung der Partnerschaft zwischen den USA und der EU scheitern könnte.  Mit einer weiteren Entfremdung der Wirtschaftspartner diesseits und jenseits des Atlantiks.  Und mit rascher schwindendem Einfluss Europas auf die globale Wirtschaft.

Wir haben in Stuttgart erlebt, wie Projekte scheitern können, wenn es nicht gelingt, die Menschen mitzunehmen. Wir sollten nicht die gleichen Fehler machen. Wer sich mit den TTIP-Verhandlungen beschäftigt, ist klug genug, sich anhand der Fakten überzeugen zu lassen. Dazu gehört aber auch, dass er Antworten auf seine Sorgen findet. Hautnah. Greifbar. Durchgespielt am einzelnen Fall. Unter Auswertung der Erfahrungen, die die EU mit anderen Handels- und Investitionsabkommen bereits gemacht hat.  Dazu gehört auch das Zugeständnis, dass es kritische Verhandlungspunkte gibt, die große Sorgfalt beim Abfassen des Vertragstextes erfordern. Und dazu zählt eine offene Berichterstattung, die dies nicht ausblendet. Die Skeptiker sind nicht dumm. Und sie lassen sich nicht für dumm verkaufen. Wir müssen sie gewinnen. Sonst verlieren am Ende alle. TTIP21.

Im Mai 2014 

Netter Mario

OLYMPUS DIGITAL CAMERADu bist so klug. Es zu tun. Wie könntest du auch anders? Wer sagte das? Ja dann. Klar. Aber nicht deswegen. Nein. Richtig betrachtet, ist das ja auch ganz toll. Eine tolle Idee. Findest du. Bald selbst. Schon ganz bald. Du denkst nach. Ja, es ist gut. Muss es  sein. Findest jede Begründung. Es kommt ja von oben. Gut eingefädelt. Mario, du bist so klug. Und so nett.

Im Mai 2014

Herzlichkeit

OLYMPUS DIGITAL CAMERALästige Pflicht. Eine Gratulation. Wie alt? Ich dachte, der wär´ noch jünger. Machen Sie´s fertig. So wie immer. Müssen wir etwas Besonderes erwähnen? Nein? Gut, dann nehmen Sie die Kurzform. Danke. „Zu Ihrem heutigen Festtag darf ich Ihnen persönlich, aber auch im Namen des ganzen Vorstandes, unsere herzlichen Glückwünsche übermitteln.“ Kategorie B. Notwendig, aber nicht wichtig. Zu unbedeutend. Herzlose Herzlichkeit.

Im Mai 2014