Plakativ

OLYMPUS DIGITAL CAMERADruck. Große Plakate und kleine. Und Stimmzettel. Die Druckhäuser haben gut zu tun. Alle 4 oder 5 Jahre. Und immer zwischendrin, wenn gerade Wahlen anstehen. Eine uralte Zunft rotiert.  Mit allen politischen Farben. Mit großen Mengen wie mit kleinen. Nach dem Proporz. Für die Großen mehr, für die Kleinen weniger. Umgekehrt wär´s nicht zu bezahlen. Von den Kleinen. Das sagt das Parteiengesetz. Alles in allem verlässt eine tonnenschwere Papierflut in den Vorwahlwochen die Rotationswalzen, um dann an großformatige Wände gekleistert zu werden oder einfach nur in den Wahllokalen als Wahlbrief oder als Stimmzettel ihren Staatsdienst zu tun. 

Der Wähler versteht nur die einfache Sprache. Ein Bild. Ein Plakat. Und wo er das Kreuzchen machen muss. Sonst hätte er sich längst gewehrt. Also setzt die Politik weiterhin auf die Kraft der Plakate. Bis zum Tage X. Dann fiebern die Kandidaten, brauchen detaillierte Fakten. Dann regiert wieder die digitale Technik. In Bruchteilen von Millisekunden entstehen und erlöschen die ersten und die letzten Prognosen, um dann irgendwann einer erlösenden Zahl Platz zu machen und diese festzuschreiben: dem Wahlergebnis.

Über das Internet, über die Fernsehsender sowie die Rundfunkkanäle sind die Kandidatinnen und Kandidaten live dabei, wenn es um ihre Stimmen geht. Und um die ihrer Partei. Voll digitalisiert spielt sich das alles ab. Mit den raffiniertesten Spielzeugen der technisierten Welt versucht die Politik, noch einmal anzukommen, den Wähler zu fesseln. Wenigstens an dem Tag, an dem er sagen kann, seinen – wenngleich geringen, wie er meint – Einfluss geltend gemacht zu haben. Es ist schon eine Show, so eine Wahl.

Und erst diese Botschaften. Vor der Wahl. So unverbindlich, so sympathisch und so plakativ.

Im Juni 2014

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