Später Schulbesuch

Meine Volksschule.  Das vertraute Gebäude. Es war damals ein modernes Haus, verklinkert, mit großen Fenstern und einer Aula gleich im Eingangsbereich. Der Flötenspieler an der Wand, ein rot-weißes Gemälde, ist noch da.  Auch die dunklen Fliesen mit  hellen Sprenkeln haben die Zeiten überlebt und wecken meine Erinnerungen. Fast vergessen hatte ich das helle Farbenspiel des Geländers, das uns freundlich ins erste Stockwerk begleitete.  Die Schule wirkt heute seltsam verstümmelt, ihrer Anmutung beraubt. Wo ursprünglich ein Trakt mit Funktionsräumen lag, schließt heute eine hohe Wand den Baukörper nach außen ab. Provisorisch mit dunkler Farbe gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt. Der Hausmeisterbungalow fehlt. Ist verschwunden. Meine Schule  hat ihr Gleichgewicht verloren, wird bald einstürzen.

Es berührt mich, noch einmal die Originaltüren zu sehen, die mir als Kind von montags bis samstags Einlass gewährten. Es tut gut, die Fenster stark gealtert noch in ihren alten Rahmen vorzufinden. Fenster, durch die wir die im 3. Schuljahr Güterwagen auf der nahen Eisenbahnlinie zählten. Es waren 50 und mehr. Vorne eine Dampflokomotive.  Die Fenster, die Türen, die Schule: Die Zeit ist über sie hinweggegangen. Sie halten nicht mehr lange. Die Abrissbirne ist nahe, scheint aber diesen Tag noch abgewartet zu haben: Meinen späten Schulbesuch.

Im Juni 2014

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.