Bankverbindung geknackt

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch habe meine Bankverbindung geknackt. Sie ist erledigt. Jedenfalls fast. Jedenfalls dann, wenn mich eine schriftliche Bestätigung von meiner Unsicherheit erlöst. Von meiner Unsicherheit, ob es geklappt hat, mit der Bank. Dass ich nicht missverstanden werde: Es geht mir nicht um´s Geld. Es war ohnehin zu wenig, als dass es greifbare Früchte hätte tragen können. In der Finanzwelt. Bar habe ich es. Es ist bescheiden genug, meine Geldbörse nicht allzu sehr zu strapazieren, sie aufzublähen, wie es sich eher für Protagonisten anderer Provenienz schickt. Nein, es geht mir nicht um´s Geld. Es ist die Bank. Ich habe sie geknackt. Nicht die Bank selbst. Aber meine Verbindung zu ihr. Einfach so. Aus Übermut habe ich mich mit einer mächtigen Institution angelegt, bei der mich wiederholt eine vehemente Unsicherheit darüber befällt, ob nun sie oder unser Gemeinwesen sagt, wohin morgen die Reise geht. Unsere gemeinsame Reise in die Zukunft.

Jetzt bin ich frei, sozusagen bankverbindungslos. Mein Leben hat einen wohltuenden Riss bekommen. Fast erschien es mir frevelhaft darauf zu bestehen, das Konto zu löschen. Endgültig. Und doch bin ich froh, einen Schlussstrich zu ziehen unter eine zweifelhafte Freundschaft, bei der sich alles nur ums Geld dreht und um alles andere, was man darum herum spinnen und bauen kann. Festungen des Geldes zum Beispiel, ehrwürdig auftrumpfende Bauwerke in zentraler Lage. Tempel der Finanzwelten für die Gemeinschaft der Bankengläubiger. Ihren Banken verbunden. Schier unauflösliche Verbindungen. Und ich? Ich habe sie geknackt. So hoffe ich doch. Meine Bankverbindung.

Im September 2014

An Opfern reich

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVoorsicht. Aufpassen. Jetzt keinen Fehler machen. Respekt, bitte. Ich weiß, wo ich hingehöre. Seit ich gewählt bin. Mit überwältigender Mehrheit übrigens. Das war so erhebend schön, ein Quantensprung in meinem Leben, Ergebnis guter Leistung, von Anstrengung und Disziplin. Nicht geschenkt. Beileibe nicht. Es gab so Momente, da hatte ich selbst Zweifel. Nein, keine Selbstzweifel, ich war nur unsicher, ob es gelingen könnte. Hatte alles auf eine Karte gesetzt – und hab´am Ende gewonnen. So sehen Gewinner aus. So wird´s gemacht. Die Rechnung ist aufgegangen. Das Ergebnis stimmt. Und damit der an Opfern reiche Weg. Denn – wie sagte doch damals Kanzler Kohl: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Hab ich mir gemerkt. Er hatte Recht. Er hatte ja so Recht. Und das lasse ich mir nicht nehmen. Voorsicht. Aufpassen. Jetzt keinen Fehler machen. Respekt, bitte.

Im September 2014

Hammerhütte

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHier ist nichts Gutes zu erwarten: Blanke Tische. Ein paar Bohlen davor. Alte Luft, abgestanden, zu kühl. Kein warmer Hauch, ein stillgelegter Heizkörper ohne Funktion. Speckige Menükarten vergällen uns den Appetit. Es bleibt der Hunger. Wir frieren. Die kalten Getränke erwärmen uns nicht. Wir warten. Draußen huscht der Koch über den Hof, in die belaubte Gartenhütte, Quell des Gasthauses. Ein Vorratslager voller Konserven, eingebunkert für den Ernstfall. Wie heute. Wer immer den Wurstsalat bestellt hat, er kann ihn kommen sehen. Eimerweise-Speise läuft zurück durch eine schmuddelige Tür mit der Aufschrift „Küche“, die eher Fluchtgedanken in uns weckt als die Hoffnung, dass doch noch ein Wunder geschehen könnte. Wir bleiben tapfer. Die Zeit vergeht rasend, während wir warten. Und warten. Zwei Beilagensalate fliegen ein, drehen eine kleine Ehrenrunde, bevor sie ihren Platz gefunden haben. Wir kalkulieren: Salat ist schnell gemacht, Grünzeug ist schnell geschnitten, gemischt und serviert. Ein Dressing drauf und fertig. Warme Speisen sind damit nicht zu vergleichen.  Warmes kann noch dauern. Alle warten auf etwas Warmes. Und dann geschieht es doch: Vier Hände liefern vier Portionen. A la Carte trudeln nach und nach alle warmen Gerichte ein und suchen sich ihren Platz. Es wird still. Und irgendwie wärmer. Für einen Moment schweigen unsere bösen Ahnungen. Es schmeckt besser als erwartet. Fast richtig gut. Gemessen an unseren Ewartungen, den geringen. Ein Hammer, diese Hütte.

 September 2014