Bankverbindung geknackt

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch habe meine Bankverbindung geknackt. Sie ist erledigt. Jedenfalls fast. Jedenfalls dann, wenn mich eine schriftliche Bestätigung von meiner Unsicherheit erlöst. Von meiner Unsicherheit, ob es geklappt hat, mit der Bank. Dass ich nicht missverstanden werde: Es geht mir nicht um´s Geld. Es war ohnehin zu wenig, als dass es greifbare Früchte hätte tragen können. In der Finanzwelt. Bar habe ich es. Es ist bescheiden genug, meine Geldbörse nicht allzu sehr zu strapazieren, sie aufzublähen, wie es sich eher für Protagonisten anderer Provenienz schickt. Nein, es geht mir nicht um´s Geld. Es ist die Bank. Ich habe sie geknackt. Nicht die Bank selbst. Aber meine Verbindung zu ihr. Einfach so. Aus Übermut habe ich mich mit einer mächtigen Institution angelegt, bei der mich wiederholt eine vehemente Unsicherheit darüber befällt, ob nun sie oder unser Gemeinwesen sagt, wohin morgen die Reise geht. Unsere gemeinsame Reise in die Zukunft.

Jetzt bin ich frei, sozusagen bankverbindungslos. Mein Leben hat einen wohltuenden Riss bekommen. Fast erschien es mir frevelhaft darauf zu bestehen, das Konto zu löschen. Endgültig. Und doch bin ich froh, einen Schlussstrich zu ziehen unter eine zweifelhafte Freundschaft, bei der sich alles nur ums Geld dreht und um alles andere, was man darum herum spinnen und bauen kann. Festungen des Geldes zum Beispiel, ehrwürdig auftrumpfende Bauwerke in zentraler Lage. Tempel der Finanzwelten für die Gemeinschaft der Bankengläubiger. Ihren Banken verbunden. Schier unauflösliche Verbindungen. Und ich? Ich habe sie geknackt. So hoffe ich doch. Meine Bankverbindung.

Im September 2014

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.