Hammerhütte

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHier ist nichts Gutes zu erwarten: Blanke Tische. Ein paar Bohlen davor. Alte Luft, abgestanden, zu kühl. Kein warmer Hauch, ein stillgelegter Heizkörper ohne Funktion. Speckige Menükarten vergällen uns den Appetit. Es bleibt der Hunger. Wir frieren. Die kalten Getränke erwärmen uns nicht. Wir warten. Draußen huscht der Koch über den Hof, in die belaubte Gartenhütte, Quell des Gasthauses. Ein Vorratslager voller Konserven, eingebunkert für den Ernstfall. Wie heute. Wer immer den Wurstsalat bestellt hat, er kann ihn kommen sehen. Eimerweise-Speise läuft zurück durch eine schmuddelige Tür mit der Aufschrift „Küche“, die eher Fluchtgedanken in uns weckt als die Hoffnung, dass doch noch ein Wunder geschehen könnte. Wir bleiben tapfer. Die Zeit vergeht rasend, während wir warten. Und warten. Zwei Beilagensalate fliegen ein, drehen eine kleine Ehrenrunde, bevor sie ihren Platz gefunden haben. Wir kalkulieren: Salat ist schnell gemacht, Grünzeug ist schnell geschnitten, gemischt und serviert. Ein Dressing drauf und fertig. Warme Speisen sind damit nicht zu vergleichen.  Warmes kann noch dauern. Alle warten auf etwas Warmes. Und dann geschieht es doch: Vier Hände liefern vier Portionen. A la Carte trudeln nach und nach alle warmen Gerichte ein und suchen sich ihren Platz. Es wird still. Und irgendwie wärmer. Für einen Moment schweigen unsere bösen Ahnungen. Es schmeckt besser als erwartet. Fast richtig gut. Gemessen an unseren Ewartungen, den geringen. Ein Hammer, diese Hütte.

 September 2014

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