Einer von uns

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEine Norm. Was ist das schon? Normative Kräfte schaffen sie. Gesellschaftlich, rechtlich, technisch, bindend, unverbindlich oder mit dem Anspruch auf Einaltung. Normen verankern sich in unserer Wahrnehmung. Was normgerecht geschieht, verdient keine besondere Beachtung. Es ist geregelt. Davon droht keine Gefahr. Wer sich normgerecht verhält, wer sich in der Bandbreite unserer gesellschaftlichen und rechtlichen Normen verhält, dem schenken wir unser Vertrauen. Den lassen wir in Frieden. Den lassen wir unbeobachtet. Der ist einer von uns. An seinem Platz in unserer Gesellschaft.

Wer die Grenzen unserer gesellschaftlichen Normen berührt oder überschreitet, der verunsichert uns. Ihm schenken wir größere Aufmerksamkeit. Nur vorsichtshalber. Und um wieder Frieden zu finden, innere Entwarnung vor dem Unvertrauten. Aufmerksamkeit zieht Beachtung nach sich. Wer die Grenzen Normen erreicht, fordert unsere Wahrnehmung, unser Interesse. Später dann Anerkennung. Wir wollen unsere Ruhe. Deshalb strengen wir uns an. Deshalb beschäftigen wir uns mit dem Abweichler. Wir hören ihm zu. Bis wir ihn sicher verpackt haben. Wenn nötig, kaufen wir ihn ein. Unser Frieden ist es uns wert.

Und wer keine Ruhe gibt, den befördern wir. Aus unserer Gesellschaft. Aus unserem Kreis. Oder nach oben. Als einen von uns. Wir wollen unseren Frieden.

Im September 2014

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.