Sie ist geknackt

OLYMPUS DIGITAL CAMERASie ist geknackt. Meine Bankverbindung ist tot. Sie musste sich nach langem Kampf am Ende doch ergeben. Die Bank hatte eine Verbindung. Sie hat sie nicht mehr. Konnte sie nicht halten. Allem Widerstand zum Trotz. Persönlich hatte ich vorgesprochen.

Was wie eine leichte Übung schien, entpuppte sich als komplizierter Akt. Ich hatte einen Berg von Unterlagen zur Kenntnis nehmen und Formulare ausfüllen müssen. Wohl wegen der besonderen Bedeutung und Schwere meines so schlichten wie unbequemen Anliegens.

Meine Hoffnung auf einen kurzen Prozess war blanke Illusion. Erst mein Anruf brach die zum Tode verdammte Verbindung auf. Stück für Stück. Ein Steinbruch stand Pate. Erst verschwand das Depot. Dann das Girokonto. Und dann ergaben sich die kleinen Restkonten in einer mir im Gesamtprozess schleierhaften Logik der Geschehensabläufe.

Verschämt trudelte geraume Zeit nach dem Vollzug per Post eine Nachricht über die Depotauflösung ein. Das Girokonto verschwand. Online war es einfach nicht mehr da. Kommentarlos. Und dann gab es noch den schäbigen Rest. Zwei winzig kleine Beträge. Wohin damit? Es dauerte nur ein paar Tage. Dann waren auch sie verschwunden. Jedenfalls für mich. Mein Kontozugriff scheiterte am Tage X und sollte nie mehr wiederbelebt werden. Ohne Kommentar.

Noch fehlt mir der schriftliche Nachweis, quasi das amtliche Dokument, dass nichts mehr ist, wo früher eine mir teure Bankverbindung war. Ich bin ja geduldig. Noch sind seit Äußerung meines wohl unanständigen Begehrens kaum mehr als 6 Wochen vergangen. Eines aber zählt: Meine Bankverbindung ist geknackt, auch wenn dies noch nicht amtlich ist.

Im November 2014

Open-Air im Siegerland

OLYMPUS DIGITAL CAMERAKeine 10 Meter entfernt. Die kurze Böschung hinunter und dann auf der Ebene: Dort liegt der Spielplatz des Feierabendvergnügens. Mit Zwei- und Viertaktern. Hochtouriger Gesang folgt dumpfem Grollen. Dazwischen Menschenstimmen. Open-Air- Musik der ganz besonderen Art. Wir sind im Siegerland. Eine ganze Großfamilie sägt, bohrt und hämmert sich durch ihre Freizeit. Sichtbar, vor allem aber hörbar.

Diese melodische Welt auf- und abschwellenden Gekreischs der Sägen, hölzerner Hammerschläge und brummender Mäher zählt hier als Genussmittel. Wir befinden uns in einem Familienkonzert. Es gibt keinen schrägen Ton, jeder einzelne tut gut. Auf Zuruf arbeitet hier ein eingespieltes Orchester. Gender-Fragen? Gelöst. Jeder darf mitmachen. Er, sie, die Töchter, die Schwiegersöhne und deren verheißungsvoller Nachwuchs gleichermaßen.

Nachhaltiges Wirtschaften? Selbstverständlich. Ausschließlich natürliche Rohstoffe aus heimischen Haubergen werden hier verarbeitet. Ein Generationenprojekt besonderer Art. In direkter Nachbarschaft. Respekt. Wir sitzen in der ersten Reihe. Ein Privileg. Ein ganz besonderes Privileg, das wir hier genießen können. Denn die Vorstellung wird wiederholt. Schon seit mehr als 20 Jahren. Mit höchster Zuverlässigkeit. Allenfalls unterbrochen durch höhere Gewalt: heftigen Regen, Schnee oder Sturm. Aber ansonsten: Kein Grund zur Klage. Ausfälle gibt es so gut wie nie.

Gespielt wird natürlich, wenn die Zuschauertribüne gefüllt ist. Wenn jeder teilhaben kann, an der schöpferischen Kraft Siegerländer Konzertkunst: Am Feierabend. Jeden Freitag, Samstag und dann in der Woche, wenn es hell genug ist, das Spektakel hautnah von der eigenen Terasse aus zu erleben. Wenn es windstill ist, die Sonne langsam im Westen untergeht und uns den Rest ihrer wärmenden Strahlen in den Garten schickt. Wenn es so richtig schön ist, draußen. Dann gibt´s ein Konzert. Jedes Mal. Mit schöner Zuverlässigkeit.

Unsere Terrasse ist verwaist. Die Plätze in der ersten Reihe bleiben leer. Uns fehlt wohl der Sinn für so viel Kultur. Eindringlich werden wir dran erinnert. Selbst in der zweiten Reihe, zurück im Haus. Wir haben ein viel versprechendes Abonnement in der ersten Reihe. Unkündbar. Generationen übergreifend. Es geht doch nichts über eine friedliche Nachbarschaft. Und zuweilen auch nichts über eine leise.

Im November 2014