Open-Air im Siegerland

OLYMPUS DIGITAL CAMERAKeine 10 Meter entfernt. Die kurze Böschung hinunter und dann auf der Ebene: Dort liegt der Spielplatz des Feierabendvergnügens. Mit Zwei- und Viertaktern. Hochtouriger Gesang folgt dumpfem Grollen. Dazwischen Menschenstimmen. Open-Air- Musik der ganz besonderen Art. Wir sind im Siegerland. Eine ganze Großfamilie sägt, bohrt und hämmert sich durch ihre Freizeit. Sichtbar, vor allem aber hörbar.

Diese melodische Welt auf- und abschwellenden Gekreischs der Sägen, hölzerner Hammerschläge und brummender Mäher zählt hier als Genussmittel. Wir befinden uns in einem Familienkonzert. Es gibt keinen schrägen Ton, jeder einzelne tut gut. Auf Zuruf arbeitet hier ein eingespieltes Orchester. Gender-Fragen? Gelöst. Jeder darf mitmachen. Er, sie, die Töchter, die Schwiegersöhne und deren verheißungsvoller Nachwuchs gleichermaßen.

Nachhaltiges Wirtschaften? Selbstverständlich. Ausschließlich natürliche Rohstoffe aus heimischen Haubergen werden hier verarbeitet. Ein Generationenprojekt besonderer Art. In direkter Nachbarschaft. Respekt. Wir sitzen in der ersten Reihe. Ein Privileg. Ein ganz besonderes Privileg, das wir hier genießen können. Denn die Vorstellung wird wiederholt. Schon seit mehr als 20 Jahren. Mit höchster Zuverlässigkeit. Allenfalls unterbrochen durch höhere Gewalt: heftigen Regen, Schnee oder Sturm. Aber ansonsten: Kein Grund zur Klage. Ausfälle gibt es so gut wie nie.

Gespielt wird natürlich, wenn die Zuschauertribüne gefüllt ist. Wenn jeder teilhaben kann, an der schöpferischen Kraft Siegerländer Konzertkunst: Am Feierabend. Jeden Freitag, Samstag und dann in der Woche, wenn es hell genug ist, das Spektakel hautnah von der eigenen Terasse aus zu erleben. Wenn es windstill ist, die Sonne langsam im Westen untergeht und uns den Rest ihrer wärmenden Strahlen in den Garten schickt. Wenn es so richtig schön ist, draußen. Dann gibt´s ein Konzert. Jedes Mal. Mit schöner Zuverlässigkeit.

Unsere Terrasse ist verwaist. Die Plätze in der ersten Reihe bleiben leer. Uns fehlt wohl der Sinn für so viel Kultur. Eindringlich werden wir dran erinnert. Selbst in der zweiten Reihe, zurück im Haus. Wir haben ein viel versprechendes Abonnement in der ersten Reihe. Unkündbar. Generationen übergreifend. Es geht doch nichts über eine friedliche Nachbarschaft. Und zuweilen auch nichts über eine leise.

Im November 2014

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