Sie ist geknackt

OLYMPUS DIGITAL CAMERASie ist geknackt. Meine Bankverbindung ist tot. Sie musste sich nach langem Kampf am Ende doch ergeben. Die Bank hatte eine Verbindung. Sie hat sie nicht mehr. Konnte sie nicht halten. Allem Widerstand zum Trotz. Persönlich hatte ich vorgesprochen.

Was wie eine leichte Übung schien, entpuppte sich als komplizierter Akt. Ich hatte einen Berg von Unterlagen zur Kenntnis nehmen und Formulare ausfüllen müssen. Wohl wegen der besonderen Bedeutung und Schwere meines so schlichten wie unbequemen Anliegens.

Meine Hoffnung auf einen kurzen Prozess war blanke Illusion. Erst mein Anruf brach die zum Tode verdammte Verbindung auf. Stück für Stück. Ein Steinbruch stand Pate. Erst verschwand das Depot. Dann das Girokonto. Und dann ergaben sich die kleinen Restkonten in einer mir im Gesamtprozess schleierhaften Logik der Geschehensabläufe.

Verschämt trudelte geraume Zeit nach dem Vollzug per Post eine Nachricht über die Depotauflösung ein. Das Girokonto verschwand. Online war es einfach nicht mehr da. Kommentarlos. Und dann gab es noch den schäbigen Rest. Zwei winzig kleine Beträge. Wohin damit? Es dauerte nur ein paar Tage. Dann waren auch sie verschwunden. Jedenfalls für mich. Mein Kontozugriff scheiterte am Tage X und sollte nie mehr wiederbelebt werden. Ohne Kommentar.

Noch fehlt mir der schriftliche Nachweis, quasi das amtliche Dokument, dass nichts mehr ist, wo früher eine mir teure Bankverbindung war. Ich bin ja geduldig. Noch sind seit Äußerung meines wohl unanständigen Begehrens kaum mehr als 6 Wochen vergangen. Eines aber zählt: Meine Bankverbindung ist geknackt, auch wenn dies noch nicht amtlich ist.

Im November 2014

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.