Regio-Call

Der Regio-Call ist draußen. Jetzt beginnt das Wettbewerbsverfahren. Jetzt ist klar, welche Vorhaben Aussicht auf den Zuschlag erhalten können. Jetzt beginnt der letzte Teil des ersten Schritts zum Erfolg. Jetzt werden die Papiere erstellt, die Wettbewerbsbeiträge eingereicht. Der Beste soll die Mittel bekommen. Auf ihn wartet ein reicher Geldsegen. Es lohnt sich teilzunehmen, denn die Gewinnchance ist hoch. Für alle, die gut vorbereitet sind, die sich früh drum gekümmert haben. Allein und mit all denjenigen, die entscheiden dürfen, was für die Region wichtig und richtig ist und die bereit sind, eine Entscheidung zu treffen, einen Konsens zu finden, die sich ein sicheres Urteil darüber zutrauen. Worauf auch immer dieses Urteil sich gründen mag.

Viele Millionen sind im Spiel. Und die wollen gut verplant sein. Was macht man mit so viel Geld? Jeder gemeine Stadtkämmerer könnte es aus dem Stand heraus verbauen, es in die Löcher der Straßen zu stopfen. Aber das wäre zu banal. Finanziert wird schließlich nicht der Bedarf. Das wäre regelwidrig. Ziel solcher Fördergelder ist es gerade nicht, die Substanz zu retten. Wir befassen uns mit der Zukunft. Nicht mit der Lösung der Probleme unserer Zeit.

Wer so viel Gutes tut, will nicht namenlos in Untiefen kommunaler Haushaltslöcher versinken. Er will Leuchttürme für die Region. Und vielleicht auch ein bisschen für sich. Als kleinen Anreiz sozusagen. Orientierungsmarken für den Blick in eine glückliche Zukunft sind gefragt. Politische Wohlfühlatmosphäre, wenigstens die, muss dabei herauskommen. Wenn wir schon so viel Geld einsetzen.

Dabei fällt es immer schwerer, den Segen an richtiger Stelle zu spenden. Etwa dort, wo die Wähler in entscheidend großer Zahl zuhause sind. Dort, wo die Gelder Wirkung zeigen. Auch politisch. Bei der nächsten Wahl. Das Wettbewerbsverfahren wirft einen da schon ein ganz schönes Stück zurück. Wenn vor allen Dingen die gute Idee und Vorhaben zählen, die den größten Erfolg für die Region versprechen und zudem nachahmenswert erscheinen, dann fällt es nicht mehr so leicht, die Mittel in politisch bedeutsamen, zugleich aber entwicklungsmüden Regionen zu platzieren. Das sollte für uns aber kein ernstes Problem sein. Für uns sind diese Herausforderungen nicht neu. Und wir haben sie noch immer gemeistert.

Wir sind großzügig. Das spüren die Regionen. Das spüren die Wähler. Und wir gehen verantwortungsvoll mit den Geldern um. Das zeigt schon das aufwendige Verfahren, dem wir uns nicht stellen würden, wollten wir unsere Millionen nach Gutsherrenart auskehren. Unsere Millionen. Ganz von oben. Von der Europäischen Union. Es ist also noch etwas da. Vom Geld der Wähler. Das sie abgeliefert haben. Bei der Union.

Sie  sollten dankbar sein.

Im November 2014

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