Blütezeiten

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Amsterdam 2014/15

Schon wieder einer. Der Einzelhandel zieht sich zurück. Die Innenstadt verliert nach und nach ihre hübschen Beißerchen. Zahnlücken wohin man schaut. Kein schöner Anblick. Mit Mühe widersetzt sich der verbleibende Rest der immer stärker drängenden Überlegung, ebenfalls den Schlüssel für immer umzudrehen. Die Wenigen kämpfen mitunter auf verlorenem Posten. Ihre Mitstreiter sind fort. Und mit ihnen die Passanten, die Kunden, die es ehemals in die Städte zog, weil sie hier das fanden, was nirgendwo sonst zu haben war: modische Kleidung, Hausrat, Spielzeug und eben alles, was das Herz begehrte. Heute finden Sie was sie suchen mühelos woanders. Was sollen sie noch in der Innenstadt, dem Ort, an dem sich Hoffnungslosigkeit breit macht? Die Hoffnungslosigkeit des Einzelhandels an diesen Orten. Die Hoffnungslosigkeit der Vermieter, die in alten Erinnerungen schwelgen. Die Hoffnungslosigkeit der Fantasielosen, die nicht sehen, dass die Innenstadt vor einer neuen Blüte steht. Einer Blüte, deren Farbe uns noch verborgen ist.

Im Januar 2015

Gut genug

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Amsterdam 2014/15

Es ist ganz einfach. Oder auch nicht. Wenn es einmal nicht ganz einfach ist, muss man genau hinsehen, wo. An manchen Stellen schadet es nämlich nicht, wenn etwas ein bisschen komplizierter gerät; an anderen schon. Machen Sie zuhause, was Sie wollen. So umständlich, wie es Ihre Angehörigen ertragen und es Ihre Zeit zulässt. Schließlich müssen Sie es selbst ausbaden. Sie sind die letzte Instanz. Auch als Parlamentarier, wenn Sie Ihre privaten Dinge erledigen. Dann ist es unschädlich.

Recht für alle zu schaffen aber verlangt mehr. Klare Gedanken. Klare Worte. Einfache Regeln für die Praxis. Gut genug für die massenhafte Umsetzung. Der Bürger wird es Ihnen danken. Als Steuerzahler, als Arbeitnehmer, als Autofahrer, als Hobbygärtner, als Golfspieler oder als Urlauber. Oder einfach nur als Mensch wie Sie und ich. Ganz einfach.

Im Januar 2015

Ablenkung

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Königin Wilhelmina, Amsterdam 2014/15

Unser Fabelwesen lebt. Das Bürokratiemonster macht uns Angst, verfolgt uns, raubt uns den Schlaf. Es ist allgegenwärtig und nicht auszurotten. Weder in der Europäischen Union, noch beim Bund, beim Land, in den Kreisen, den Städten und Gemeinden oder bei anderen Stellen, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen. Unsere Waffen versagen kläglich, wollen wir es zur Strecke bringen. Denn es hat weder Gestalt noch Gesicht oder gar ein Rückgrat, das wir brechen könnten. Es lässt sich weder orten, noch in Bilder fassen. Jeder Versuch, sich ihm zu nähern, scheitert. Es ist einfach unfassbar, dieses Ungeheuer.

Es ist so unbeschreiblich unfassbar, dass wir uns ziellos an ihm austoben können. Wir können nichts falsch machen. Wir treffen immer den Richtigen und genießen nebenbei die Sympathien derer, die ebenfalls mit der Umsetzung ihrer Aufgaben hadern. Schaden kann´s nicht. Über den Nutzen brauchen wir uns deshalb keine Gedanken machen. Ein sperriges Bürokratiemonster eignet sich als metaphorische Schlagzeile über Drangsalierungen unseres Gemeinwesens jedweder Art. Es ist immer da und immer nah, um unserem Ärger Luft zu machen. Es lenkt ab von den Verantwortlichen. Und es wehrt sich nicht. Kann sich gar nicht wehren. Monster sind harmlos, sind bloße Fabelwesen unserer Phantasie.

Im Januar 2015