Ablenkung

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Königin Wilhelmina, Amsterdam 2014/15

Unser Fabelwesen lebt. Das Bürokratiemonster macht uns Angst, verfolgt uns, raubt uns den Schlaf. Es ist allgegenwärtig und nicht auszurotten. Weder in der Europäischen Union, noch beim Bund, beim Land, in den Kreisen, den Städten und Gemeinden oder bei anderen Stellen, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen. Unsere Waffen versagen kläglich, wollen wir es zur Strecke bringen. Denn es hat weder Gestalt noch Gesicht oder gar ein Rückgrat, das wir brechen könnten. Es lässt sich weder orten, noch in Bilder fassen. Jeder Versuch, sich ihm zu nähern, scheitert. Es ist einfach unfassbar, dieses Ungeheuer.

Es ist so unbeschreiblich unfassbar, dass wir uns ziellos an ihm austoben können. Wir können nichts falsch machen. Wir treffen immer den Richtigen und genießen nebenbei die Sympathien derer, die ebenfalls mit der Umsetzung ihrer Aufgaben hadern. Schaden kann´s nicht. Über den Nutzen brauchen wir uns deshalb keine Gedanken machen. Ein sperriges Bürokratiemonster eignet sich als metaphorische Schlagzeile über Drangsalierungen unseres Gemeinwesens jedweder Art. Es ist immer da und immer nah, um unserem Ärger Luft zu machen. Es lenkt ab von den Verantwortlichen. Und es wehrt sich nicht. Kann sich gar nicht wehren. Monster sind harmlos, sind bloße Fabelwesen unserer Phantasie.

Im Januar 2015

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.