Vergütung

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWofür werden wir bezahlt? Wissen wir´s? Für unsere Anwesenheit? Für unsere Bereitschaft etwas zu tun? Für unsere Bereitschaft, einmal alle Fünfe gerade sein zu lassen? Oder für unsere Anstrengungen? Für unser Bemühen? Für das, was wir im Rahmen unserer Möglichkeiten leisten, eine Aufgabe zu lösen? Ich weiß es nicht.

Ein Wachmann wird dafür bezahlt, dass nichts passiert. Am besten ohne sein Zutun. Durch blanke Anwesenheit. Ziel erreicht. Geld verdient.

Ein Feuerwehrmann ist in der Lage, Brände zu bekämpfen. Seine Kenntnisse und Fertigkeiten sind gefragt, wenn es brennt. Für den Fall ist er ausgebildet. Dafür wird er auch bezahlt. Wenn er dann einmal zum Einsatz kommt. Dazu kommt es aber selten. In aller Regel brennen weder Häuser noch Autos oder sonst was. Nur ausnahmsweise bequemen sie sich, den Feuerwehrmann einmal ganz zu fordern. Obwohl er immer bereit wäre, sich allen Forderungen zu stellen. In seiner Bereitschaft. Auf die der Löwenanteil seiner Vergütung entfällt. Betriebswirtschaftlich – pardon, davon verstehe ich nicht viel – dürften die Ökonomen von einer miserablen Investition sprechen. Geld für die Bereitschaft, alles zu geben, was Ausbildung, Körper und Geist vorhalten.

Mitwisser: Die, die Schmiere stehen, und andere Gehilfen der leichten und schwerern Kriminalität haben ihren Lohn nicht verdient. Wenn sie Glück haben, bekommen sie ihn aber. Auch ohne den Segen der Justiz. Wofür eigentlich? Sie arrondieren das Geschäftsfeld illegaler Machenschaften, schirmen Vermögensverschiebungen ab und sorgen dafür, dass jedwede Handlung oder Unterlassung, die unsere Gesellschaft unter Strafandrohung nicht zu dulden gewillt ist, doch geschehen kann. Das kann sich lohnen. Für die kleinen, fiesen Helferlein.

Ein Beamter. Ja, der erhält ja gar keine Vergütung. Der erhält eine Alimentation. Eigentlich ist er deshalb außen vor, wenn es um die Frage geht, wofür wir bezahlt werden. Ein Beamter hat das, was er bekommt, verdient. Punkt. Das steht nämlich im Gesetz. In den Gehaltsvorschriften, fein sortiert und tabelliert. Damit erübrigt sich die Frage nach Leistung und Gegenleistung im Einzelfall. Entscheidend ist das Amt. Er ist ja Beamter. Ein Teil des ansonsten seelenlosen Staates. Es sei ihm gegönnt. Sein Gehalt.

Wer gibt etwas für die bloße Anstrengung? Niemand. Trotzdem wird sie bisweilen bezahlt. Das fängt in der Schulzeit an. Für die bloße Anstrengung, für das stundenlage Lernen allein, geben viele Eltern – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – ihrem mehr oder weniger wohl geratenen Nachwuchs Incentives, kleine und größere Belohnungen, die in Freizeit, Nützlichem, „Must haves“ und anderen reizvollen Dingen ausgezahlt werden. Anstrengung selbst lohnt sich auch hier nur ausnahmsweise. Die Quelle, aus der die Mittel sprudeln, öffnet sich nur mit einem unverhohlenen Blick auf Chancen, die solcher art geförderte Anstrengungen bieten. Die Chance, doch noch einen Abschluss zu schaffen, den stolzen Eltern zum Gefallen, denn sie sind ja in gerader Linie verwandt. Und Erziehungsverpflichtete. Dem Kind gereicht die Anstrengung ebenfalls zum Wohl. So ganz nebenbei.

Das Bemühen, seinen Aufgaben gerecht zu werden, ist heute eine der übelsten arbeitsrechtlichen Leistungsbeschreibungen, die sich Arbeitnehmer am Ende ihres Arbeitsverhältnisses einhandeln kann. Man kann es kurz machen: Für Bemühen erntet man allenfalls ein mildes Lächeln. Aber kein Geld. Weil bloßes Bemühen dem, der es vergüten sollte, keinen Ertrag liefert. Am Ende zählt der Erfolg. Bei allem Bemühen.

Wer zahlt dafür, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten so viel leisten, wie wir können, um eine Aufgabe zu lösen? Nur der, der in uns die Hoffnung setzt, die Aufgabe zu lösen. Und nur so lange, wie er nicht durch Misserfolge eines Besseren belehrt wird. Wir leben in einer Welt der Ökonomie. Hier zählen Zahlen. Nichts anderes.

Wofür werden wir bezahlt? Wissen wir´s?

Im Januar 2015

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.