Nahezu reglos

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWie leicht ist es doch, die Welt zu bewegen. Nahezu reglos sitze ich hier. Nichts treibt mich in die harte Welt hinaus. Meine Finger spielen auf der Klaviatur der neuen Zeit, trippeln von Angebot zu Angebot, durchkämmen virtuos das Internet-Weltall. Meine Augen heften sich an Bilder und Buchstaben, die in rascher Folge Türen öffnen zu Menschen, die ähnlich oder anders denken, eigenwillig handeln und sich auf ihre Weise diesem und jenem, und vielleicht allen, mitteilen. Mit Angeboten, mit Fragen, mit ihrer ganzen Weisheit und ihrem ganzen Vermögen.

Es sind Menschen, die dies tun, um sich selbst zu finden. Um sich zu gefallen. Oder anderen. Und Menschen, die gar nicht im eigenen Interesse handeln. Menschen, die sich mitteilen müssen, sich jemandem angedient haben. Mit dem, was sie können. Gegen Bezahlung. Als Mitarbeiter oder als Chef. Für fremde Interessen. Im eigenen Namen unter fremdem Label. Des eigenen Lebens und Überlebens willens. Sie schicken Kontoauszüge in die elektronischen Medien und Versandhausware. Sie liefern Appetithäppchen für Dienste und Informationen für Unschlüssige, die zu gewinnen, größerer Mühe bedarf, als nur ein paar bunte Seiten zu liefern. Sie lesen in den Webstatistiken wie in Büchern, optimieren Suchwörter und Verfahren hier und dort und hängen wieder in den Statistiken, die ihnen Freude und Kummer in raschem Wechsel bescheren. Sie bewegen die Welt. Nahezu reglos .

Im Februar 2015

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.