Quer gelegt

Legen Sie sich doch einfach mal quer. In Ihrem Bett zum Beispiel. Legen Sie sich mal um 90 Grad verdreht hin. Verlassen Sie die Längsausrichtung, achten Sie aber darauf, dass Ihr Schwerpunkt über der Matratze liegt. Das Ergebnis: Der Kopf über der Bettkante und die Füße schwebend über dem Boden der anderen Seite versprechen keine besonders geruhsame Nacht. Es ist grässlich unbequem und ungewohnt anders. Offenkundig aber nicht besser als sonst. Denn es raubt uns den Schlaf. Unsere Reaktion ist klar: Zurück auf die Ausgangsposition. Bett und Mensch finden wieder ihre Linie. Die gemeinsame. Wie gewohnt. Und wir könnten wieder rund um die Uhr schlafen. Es bleibt, wie es ist.

So weit darf es nicht kommen. Schließen sie aus, in die Ausgangsposition zurückzugehen. Bleiben Sie einfach quer liegen. Verbeißen Sie sich den Schmerz. Nehmen Sie die Strapazen in Kauf. Die Genickstarre, die kalten Füße, den fehlenden Schlaf und die Schatten unter Ihren Augen.

Sie werden die ungeübte Lage nicht lange aushalten. Ein Ringen wird einsetzen zwischen der körperlichen Qual queren Schlafs und der Anstrengung, die Ihr Denkapparat leistet, Ihnen Ihre erholsame Nachtruhe zurückzubringen. Ihr Geist wird siegen. Sie werden Möbel erfinden und Desingerpreise ernten.

Legen Sie sich doch einfach mal quer. Einfach so. Und nicht nur in Ihrem Bett.

Im Februar 2015

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.