Wetterfühlig

Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Wasser rinnt die Scheiben entlang. Böen schieben die schwere Luft ins Gemäuer. Regentropfen zerplatzen auf dem Fenstersims. Unwirtliches Grau wabert in den Raum. Dabei könnte die Sonne scheinen. Dabei könnte es Frühling sein. Es ist bereits Ende März. Für Novembergrau ist es zu spät. Zu früh für die Launen des Aprils, die uns schon in wenigen Tagen für einen Monat lang viel Gleichmut abfordern werden.

Es ist nicht kalt. Es ist schlimmer. So empfinden wir´s. Und so ist´s deshalb auch. Für uns. Wir haben Regen genug, sind seiner überdrüssig, scheuen sein durchdringendes Nass. Wir wenigen, die in einem Klima voller Wasser leben, mit saftigem Grün, mit paradiesischem Reichtum der Natur. Aber wir sind nur wenige.

Ich steige einmal aus, wandere in meinen Gedanken in ein Land diesseits oder jenseits des Äquators, in dem mich die Glut der Sonnenhitze ausdörrt, in dem der Staub das Leben verkrustet, in dem der Regen ein zu seltener Gast ist. Ein Vermögen gäbe ich für reichlich Regen wie heute. Mit Wasser, das die Scheibe entlang rinnt. Wie hier und heute. Welch Glücksgefühl.

Im März 2015

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.