Nachahmung

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWenn sie erst auf der Messe zu sehen sind, ist es meistens schon viel zu spät. Plagiate. Manch Unternehmer wundert sich, „seine“ Produkte auf einem der Nachbarstände neu zu entdecken. Sehr ähnlich. Zum Verwechseln ähnlich. Da kocht die Seele des Entwicklers.

Vorsorglich nachgeahmt werden auch Gestaltungselemente, die Form der Kühlrippen etwa. Man kann ja nie wissen. Es wird schon seinen Sinn haben. Das Logo? Nein, es ist nicht identisch. Es ist nur gleich. Dissonanter Respekt vor der Leistung des Urhebers. Fremde Mentalitäten.

Plagiate sind das Ergebnis sorgfältiger Suche nach Gelegenheiten, gewissenhafter Beobachtung, fotografisch exakter Dokumentation und Vermessung. Und schließlich der verfahrenstechnischen Umsetzung. Ein ganzes Stück Arbeit steckt dahinter. Und nicht selten ein Auftrag. Hut ab? Nein.

Trotzdem: Originale sind die Ausnahme, Kopien die Regel. Nachahmung beherrscht unseren Alltag, lässt Ideen zu Trends werden und Erfindungen zu Produkten, Produkte zu Fundamenten neuer Erfindungen und Entwicklungen. Ob Einreiher oder Zweireiher, mit langen oder kurzen Revers, selbst die Anzüge der Business-Class haben einen gemeinsamen Urvater. Das Leben selbst, jede Art, reproduziert sich nach überlieferten Mustern. Und liefert immer neue Varianten.

Wo in der Wirtschaft spioniert und kopiert wird, wo aus Originalen Fälschungen und mit Fälschungen Geschäfte gemacht werden, da beginnt die knallharte Konkurrenz. Mit Mitteln, die verboten sind. Vor denen mittelständische Unternehmen schnell kapitulieren. Zu der Last oft jahrelanger Entwicklungsarbeit kommt jetzt noch eins oben drauf: Sie führen einen wenig aussichtsreichen, aber umso teureren Kampf gegen einen kaum greifbaren Gegner. Jetzt wird prozessiert statt entwickelt. Tribut an die Leistung vergangener Tage. Und ein zweifelhafter Versuch, die Zeit anzuhalten und bereits Geschehenes ungeschehen zu machen.

Was tun? Klein beigeben? Sollen wir Betriebsgeheimnisse gleich der globalen Meute vorwerfen? Mit ewig unergründlichem Lächeln (Achtung Kopie!) und bester Empfehlung? Nein. Zu wissen, dass immer jemand da ist, der kopieren will, ist wichtig. Stets danach zu handeln, ein Gebot. Die Ratschläge dazu sind bekannt, ihre Umsetzung ist schwierig. Von der Betriebsorganisation, über sichere Datenwege bis hin zu sorgsamem Umgang mit netten, aber nicht immer vertrauenswürdigen Partnern, gibt es zahlreiche Gelegenheiten, die unserer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Und sonst? Ja, für international fairen Wettbewerb eintreten, in der Leistung gegen Diebstahl versichert ist. Das sollten wir anstreben, auch bei dürftigen Erfolgsaussichten.

Was wird? Auch in Zukunft werden gute Ideen kopiert. Wohl dem, der sie am schnellsten am Markt platziert. Am nächsten dran ist der Erfinder selbst. Er sollte Erster sein. Im Wettbewerb zählt jeder Tag. Eine Kopie läuft dem Original stets hinterher. Es besteht deshalb hinreichender Anlass, weiterhin auf eigene Ideen und Entwicklungen – auf Innovation – zu setzen. Mit kühlem Kopf. Selbst wenn Kopieren erlaubt wäre, wäre es nicht anders.

Im Mai 2010

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