Unfreiwillig geboren

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGeboren werden wir nicht freiwillig. Wir werden gar nicht erst gefragt, ob wir denn lieber heute als morgen oder lieber gar nicht, oder ob wir womöglich lieber gestern hätte geboren werden wollen. In der „guten alten Zeit“ oder in ferner Zukunft, wenn medizinischer Fortschritt den „neuen Menschen“ geschaffen haben wird. Wir werden ignoriert, so lange es uns noch nicht gibt. Ein gelebtes Selbstbestimmungsrecht sieht anders aus. Niemand fragt uns, ob wir diese Welt wollen, die uns als die unsere angedient wird. Mit all ihren Macken und mit all ihren Tücken. Mit Krieg und Frieden und Gerechtigkeit, die es nicht gibt.

So bleibt uns am Ende nur das stille Erdulden dessen, was ohne unser Zutun geschieht. Uns und allen anderen, die gestern, heute oder morgen dasselbe Schicksal ereilt hat oder ereilen wird. Millionenfach entlassen in eine Welt, die sie sich nicht ausgesucht haben, die gestern noch anders aussah und morgen anders als heute aussehen wird. In der es an allen Ecken brennt, die ständig nach der Feuerwehr ruft und Katastrophenalarm gibt. In der es ganz schön schwierig ist, einigermaßen die Übersicht zu bewahren. Über die Art und das Ausmaß der täglichen Bedrohungen, die uns aus den Medien entgegenfiebern. In eine Welt, die wir die wir zu verstehen suchen, um sie ein kleines bisschen nach unseren Vorstellungen zu entwickeln. Wie Generationen vor uns, die alle unfreiwillig geboren wurden.

Im April 2015

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.

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