Ei Ei

 

 

 

 

 

Ein Ei für´s Frühgericht
mag diesen Eier-Wärmer nicht.

Das Ei, es leidet still,
weil die Hitz´ nicht weichen will.

Coolness bis zum Schluss war seine Wahl,
die Hitze aber ist ´ne Qual.

Schon ist eine Stund´ vorbei,
doch niemand nimmt das heiße Ei.

Der eine kam zu spät, um früh zu speisen,
der andere entschied, viel früher abzureisen.

Der dritte wählte glatt das Nachbar-Ei,
das ging am coolen Ei vorbei.

Dem vierten war es schlicht zu kühl,
für sein Frühstücksei-Gefühl.

Coolness zeigt das Ei dann doch am Schluss,
als es zum Abfall wandern muss.

Im September 2016

Display

 

 

 

 

 

Smart ist unser kluges Phone,
smarter als manch Nutzer schon,
der stumpf auf seines Phones Display sieht
und nicht bemerkt, was drumherum geschieht.

Zwei Kinder in dem Wagen liegen,
für Mama ist es kein Vergnügen,
gleich zwei auf einmal ruhig zu halten,
muss sie ihr Smartphone doch verwalten.

Sie schiebt die ganze Wagenbreite
auf der einen Gehwegseite,
von der andren grüßt die Nachbarin,
ein Gegengruß ist jetzt nicht drin.

Es ruft das Phone nach der Mama,
und siehe an, sie ist schon da,
tippt geschwind ´ne Zeile ein.
Das sei erlaubt, das muss jetzt sein.

Die Kinder träumen sich in unsere Welt,
als nun ihr Wagen krachend hält.
Die Laterne stand im Weg, ist voll getroffen;
harmlos noch, so darf man hoffen.

Mama erschrickt, ist jetzt ganz da,
den Kleinen recht zum Greifen nah,
die sich zum Protest vereinen.
Sie beginnen jämmerlich zu weinen.

Listig stimmt das Phone mit ein,
will ebenfalls beachtet sein,
steht es immer doch bereit,
zu jeder Nacht- und Tageszeit.

Mama plagt das schlecht´Gewissen,
eilig etwas tun zu müssen.
Die Kleinen sind es wert, dass sie sich kümmert,
auch wenn ihr Phone noch weiter wimmert.

Die Kinder lächeln zaghaft wieder,
Mama schlägt die Augen nieder
und stammelt zweimal leis´ verzeih,
das war nicht gut. Das ist vorbei.

Der Quälgeist, dieses smarte Phone,
vergreift sich wieder mal im Ton,
du dummes Phone, du bist verloren,
ich hab es mir geschworen.

Mama öffnet dann in ihrer Wut
das Fach, in dem der Akku ruht,
entfernt den Quell der Energie,
und das Smartphone schweigt wie nie.

Sie sieht die Kinder an, sieht in den Raum,
sie sieht sich um und glaubt es kaum,
was am Menschen so vorüberzieht,
wenn er auf ein Display sieht.

Im September 2016

Begrenzte Haltbarkeit

Der Betrieb ist geöffnet. Die Ampel zeigt „Grün“. Ich gehe hinein. In die Gaststätte, das Lebensmittelgeschäft, in den Bäcker- oder den Metzgerladen. Lebensmittel aus sauberer Quelle, verlässlich, unbedenklich und garantiert hygienisch einwandfrei. Ihr Verzehr bereitet mir Vergnügen und deshalb stutze ich, als sich eine flaue Schwere auf meinen Magen legt und mich Übelkeit erfasst. Der Rest wird hier nicht erzählt. Er betrifft die Rückabwicklung meiner Nahrungszufuhr. Ich habe die Lebensmittel nicht vertragen. Es war wohl Unverdauliches dabei.

Wie konnte es dazu kommen, wenn doch die Ampel auf „Grün“ stand, die plakative Hygieneampel, gleich rechts neben der Eingangstür? Ich bin Verbraucher. Und diese Ampel diente dazu, mir Transparenz zu verschaffen darüber, wie es um die Hygiene in dem Betrieb bestellt ist. Gleich dreimal zeigte sie „Grün“. Jede Kontrollnotiz hatte dieselbe Farbe. An einem so ausgezeichneten Ort fühlt sich selbst ein kritischer Gast wie ich gut aufgehoben. Das grüne Signal wirbt für mein Vertrauen in einen hygienisch einwandfreien Umgang mit den zum Verzehr bestimmten Lebensmitteln.

Wie konnte mir an diesem Ort dann ein solches Missgeschick passieren? Ich verstehe die Welt nicht mehr und rede mit Freunden darüber. Sie finden rasch eine Erklärung: So einfach sei das mit der Ampel nicht. Ich solle doch erst einmal das Kleingedruckte lesen. Es stehe ausnahmsweise als Großgedrucktes bereits in der Überschrift des

„Gesetzes zur Bewertung, Darstellung und Schaffung von Transparenz von Ergebnissen amtlicher Kontrollen in der Lebensmittelüberwachung“, (Kontrollergebnis-Transparenz- Gesetz – KTG).

Der Verfasser: Welch gefällige Formulierung.

Das hätte ich mir ja denken können, bei einem Gesetz, das sich ganz und gar zur Herstellung von Transparenz verpflichtet sieht. Es geht natürlich mit gutem Beispiel voran, schreibt Kleingedrucktes extra groß. Ich muss reumütig gestehen, das Gesetz vor dem Betreten des Geschäftslokals nicht gelesen, ja, noch nicht einmal an ein Gesetz überhaupt gedacht zu haben, als ich die grüne Ampel am Geschäftslokal sah. Ja, ich muss zugeben, hier säumig gewesen zu sein.

Ich hole jetzt das Versäumte nach und stelle fest: Die grüne Ampel informiert nur über die Ergebnisse der zuletzt durchgeführten Lebensmittel-Hygiene-Kontrollen. Über nicht mehr und nicht weniger. Wenn sie sich daran hält, liegt sie voll im Rahmen des Gesetzes und kann deshalb auch niemanden täuschen. Die Ampel war mit guten Gründen auf „Grün“ geschaltet. Der Betrieb hatte keinen Anlass zu Beanstandungen geliefert. Amtlich war alles in Ordnung. Die letzte Prüfung lag 9 Monate zurück. Damals war alles einwandfrei. Von Täuschung keine Spur. Maßgebend ist schließlich der objektive Aussagegehalt der Ampel und nicht das, was ich mit meinem verwirrten Hirn hineininterpretiere. Das ist ganz allein meine Sache. Hier die Schuld bei anderen zu suchen, verbietet sich. Ich nahm in meiner Gedankenlosigkeit wohl an, alles sei gegenwärtig in Ordnung und ignorierte völlig, dass es alte Kontrollergebnisse waren und dass sich in 9 Monaten vieles ändern kann. Zum Guten wie zum Bösen. Die Ampel zeigt, wie es einmal war. Was derzeit ist, sagt sie uns nicht.

Für meine Versäumnisse habe ich gebüßt und blicke wieder nach vorn. Die Ampel steht noch immer auf „Grün“. Willkommen. Treten Sie ein. Aber glauben Sie ja nicht, dass Sie hier bedenkenlos genießen können. Auch Ampelfarben haben nur eine begrenzte Haltbarkeit.

Beim nächsten Mal versuche ich es einmal bei „Rot“. Schlimmer kann es ja nicht kommen. Sonst hätte der Betrieb keine Ampel mehr, nicht einmal eine rote. Er wäre dann geschlossen.

Im September 2016