Wie die Tüftler

Ideen muss man haben. Jedenfalls künftig. Denn dann entscheidet allein der Kunde, wie die Ware aussehen wird. Die Zeit der Tüftler ist vorbei. Die Zeit der Erfinder, der Entwickler, die in verschwiegenen Räumen Neues ersinnen, auf das sich Märkte und die Menschen stürzen. Was morgen die Brutstätten der Tüftler verlässt, hat keine Chance mehr. Für die Kunden sind dies Produkte fremder Ideen, sind kein eigenes Gut. Sie sind nicht so einzigartig wie der Kunde selbst. Der Kunde ist heute anspruchsvoll und nicht mehr zu kategorisieren, so wenig wie es seine Wünsche sind, die unbekannten.

Der Kunde sagt, was er will. Die Technik steht bereit. Wenn in den Clouds künftig alle Daten von Menschen und Maschinen und das Wissen der Welt zusammefließen, dann steht dem Kunden ein schier unerschöpfliches Reservoir von Produktions- und Gestaltungsmitteln zur Verfügung. Die Daten werden der Bestellung gemäß intelligent verknüpft, eröffnen dem Kunden die Nutzung einer unendlichen Produkt- und Variantenvielfalt. Es geht ganz nach seinen Wünschen, ganz zur Freude des mündigen Kunden, der sich jetzt sogar eigene Wünsche erschaffen kann, nach eigenen Vorstellungen, nach einer eigenen Idee.

Das war´s dann wohl. Adé du segensreiche Zeit der kreativen Denker und Macher. Es ist vorbei. Elitäre Anbietermacht gibt´s nicht mehr. Eure Arbeit ist jetzt Gemeingut geworden, wurde demokratisiert. Jeder ist künftig dabei. Der Kunde hat das letzte Wort. Seine Wünsche werden minutiös erfüllt. Wünsche, die er mitunter selbst nicht kennt. Hätte er nur eine Idee. Wie damals die Tüftler.

Im September 2016

Dieser Eintrag wurde in alle, Prosa veröffentlicht.