Eigentumswohnung

 

 

 

 

Bald schon ist die Tinte trocken
und besiegelt unser Wohnungsglück.
Pfusch am Bau kann uns nicht schrecken.
Wir haben alles voll im Blick.

Der hohe Preis erscheint uns angemessen,
denn Wohnen ist nun mal so teuer.
Wir müssen diese Chance erfassen
und freu´n uns auf die Einzugsfeier.

In guter Lage wird das Haus entstehen,
die alten Bauten müssen weichen.
Das Umfeld haben wir uns angesehen,
und unsere Mittel werden reichen.

Als erstes zahlen wir dem Staat Tribut.
So ein Bauvertrag kennt viele Raten.
Jetzt wird es Zeit, dass sich am Bau was tut.
Wir können es kaum erwarten.

Noch bleibt es still an des Objektes Ort,
die Ruine steht noch immer da.
Wir wünschen sie als Bauschutt fort
und sehen schon den Abriss nah.

Mit der Zeit erfasst uns Ungeduld,
denn am Objekt herrscht laute Grabesruh.
Ist wirklich nur das Wetter schuld?
Wir sehen ziemlich hilflos zu.

Der Vertrag kennt keinen Fixtermin.
Wie Gummi, scheint uns, ist er auszulegen.
Das zieht sich wohl noch lange hin.
Wann wird sich endlich was bewegen?

Die grenzenlose Wartezeit
findet schließlich doch ihr Ende.
Der Grund ist von Ruinen nun befreit
und wartet auf die Fundamente.

Plötzlich wird gebaggert und gebohrt,
verfüllt, verfestigt und gegossen.
Die Gräben werden noch verrohrt
und sorgsam dann verschlossen.

Das Bauwerk wächst fortan in Windeseile.
Natürlich sind wir jeden Tag vor Ort.
Jetzt braucht es nur noch eine kleine Weile
bis zu unserer eigenen Wohnung dort.

Das Konto wird in Magersucht getrieben:
Dürr erleichtert finden wir es wieder.
Von ihm ist nicht mehr viel geblieben.
Im Tagesausdruck schlägt sich´s warnend nieder.

Bei den Extras sind wir sehr bescheiden:
Nur vom Besten soll es sein.
Jeder wird uns drum beneiden
und die Kosten bleiben klein.

Schließlich wird der rohe Bau geschliffen.
Die Flächen kriegen jetzt Formate,
und eh´ wir es begriffen,
fließt unser Geld bis auf die letzte Rate.

Stolz betrachten wir den großen Bau,
bis wir aus der Nähe sehen:
Keine Fliese ist hier gerade und kein Spalt genau.
Hier muss noch reichlich viel geschehen.

Leider ist der Sünder dieser Pfuscherei
nicht im Büro und nicht im Land.
Wir fordern ihn sofort herbei.
Er bringt uns noch um den Verstand

In den den nächsten Wochen
geht es schleppend nur voran.
Wir könnten auf Verträge pochen
und biedern bittend uns doch an.

Im Grundbuch steh´n, ist unser nächstes Ziel,
abgenommen muss das Werk dann sein.
Der Mängel aber gibt es viel zu viel.
Wir geh´n auf Kompromisse ein.

Der Schlüssel wechselt bald in unsere Hände,
Restarbeiten müssen halt noch warten.
Uns gehören nun die teuren Wände,
bezahlt mit allen Raten.

Wir sind zuhause angekommen
und genießen unser kleines Glück.
Mancher Traum ist uns dahingeschwommen,
doch haben wir nun alles voll im Blick.

Im November 2016