Display

 

 

 

 

 

Smart ist unser kluges Phone,
smarter als manch Nutzer schon,
der stumpf auf seines Phones Display sieht
und nicht bemerkt, was drumherum geschieht.

Zwei Kinder in dem Wagen liegen,
für Mama ist es kein Vergnügen,
gleich zwei auf einmal ruhig zu halten,
muss sie ihr Smartphone doch verwalten.

Sie schiebt die ganze Wagenbreite
auf der einen Gehwegseite,
von der andren grüßt die Nachbarin,
ein Gegengruß ist jetzt nicht drin.

Es ruft das Phone nach der Mama,
und siehe an, sie ist schon da,
tippt geschwind ´ne Zeile ein.
Das sei erlaubt, das muss jetzt sein.

Die Kinder träumen sich in unsere Welt,
als nun ihr Wagen krachend hält.
Die Laterne stand im Weg, ist voll getroffen;
harmlos noch, so darf man hoffen.

Mama erschrickt, ist jetzt ganz da,
den Kleinen recht zum Greifen nah,
die sich zum Protest vereinen.
Sie beginnen jämmerlich zu weinen.

Listig stimmt das Phone mit ein,
will ebenfalls beachtet sein,
steht es immer doch bereit,
zu jeder Nacht- und Tageszeit.

Mama plagt das schlecht´Gewissen,
eilig etwas tun zu müssen.
Die Kleinen sind es wert, dass sie sich kümmert,
auch wenn ihr Phone noch weiter wimmert.

Die Kinder lächeln zaghaft wieder,
Mama schlägt die Augen nieder
und stammelt zweimal leis´ verzeih,
das war nicht gut. Das ist vorbei.

Der Quälgeist, dieses smarte Phone,
vergreift sich wieder mal im Ton,
du dummes Phone, du bist verloren,
ich hab es mir geschworen.

Mama öffnet dann in ihrer Wut
das Fach, in dem der Akku ruht,
entfernt den Quell der Energie,
und das Smartphone schweigt wie nie.

Sie sieht die Kinder an, sieht in den Raum,
sie sieht sich um und glaubt es kaum,
was am Menschen so vorüberzieht,
wenn er auf ein Display sieht.

Im September 2016