Fingerfood

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch muss noch fahren, bitte keinen Sekt. Gelber Orangensaft zieht Schlieren aufs Glas. Zwischen Zeigefinger und Daumen meiner Rechten klemmt ein pappig grauer, winzig kleiner Happen mit lustigem Obendrauf. Radieschen mit Gürkchen und Grün auf einem Hauch Schinkenbeilage. Zu haben sind auch fröhliche Ausführungen in Lachs und Käse. Alles mit kleinen Spießchen aus Holz. Haltung wahren, small talken und „genießen“. Fingerfood.

Was redet der Schwätzer da? Ach so, …. war in der Toskana. Billigflieger und so. „Ja, ja, die sind unglaublich günstig geworden.“… „Bin mal gespannt, wie lange das noch gut geht.“ Dieser widerliche Kerl hat doch schon wieder Urlaub gemacht. Und ist im Betrieb stinkefaul. Wann die den wohl endlich rauswerfen. „Ja, das muss man mitnehmen. Sie wären ja dumm, das nicht zu tun.“… „Wie geht’s denn eigentlich Ihrer Tochter, wollte die nicht auch ein Jahr ins Ausland?“… „Ist schon zurück?“…„Ja, das ist nachvollziehbar, wenn es ihr da so schlecht ergangen ist.“… „Sie haben den Veranstalter verklagt?“… „Ach so, mit einer Rechtsschutzversicherung.“… „Ja, dann man viel Erfolg. …“ Was steht der eigentlich noch da herum? Dieser falsche Fuffziger. Warum muss der sich unbedingt an mich hängen?

Drüben ist’s viel lustiger. Ein kreatives Clübchen junger und gesetzter Lebenskünstler ist gut drauf. Krasser Kontrast zu dem Knaben. Da möchte ich mittendrin sein.  „Bitte entschuldigen Sie mich einen Augenblick.“

„Ach Sie, Herr Dr. Nochsonfall, schön Sie hier zu sehen.“… „Sie hätt’ ich hier gar nicht erwartet. Sind Sie schon länger hier?“… „So, … nein, ich habe Sie nicht bemerkt, obwohl ich offensichtlich ganz in Ihrer Nähe saß.“ Der tingelt hier auch wohl so rum, weil er keinen Anschluss findet. „Ich war gerade auf dem Weg…., wollte gerade gehen. Sie verstehen, meine Familie hat mich in dieser Woche noch gar nicht gesehen.“ „Ja, dann, einen schönen Abend noch.“

Im Ausgang blicke ich mich sehnsüchtig um. Das kreative Clübchen amüsiert sich prächtig. Über mich?