Ehrliches Bedauern

 

 

 

 

 

Ornamente kriechen seinen Hals hinauf.
Symbole zieren die Hand,
die er mir entgegenstreckt.

Künstliche Tunnel dehnen
die Läppchen seiner Ohren.
Ich schüttle mich davor.

Der silberne Nasenring
und das Metall an Brauen und Lippen
verletzen mein Empfinden.

Er hat sich auf seine Art ordentlich gekleidet
für den heutigen Termin.
Er sucht Arbeit.

Seine Bewerbung erreichte mich ohne Bild.
Wäre er sonst hier?
Ich weiß es nicht.

Sein Blick, er sucht Kontakt zu mir,
doch meine Augen wandern nur
zum Metall, den Tunneln und Tattoos.

Meine Fragen sind Routine,
jedem habe ich sie gestellt.
Alle sollen gleiche Chancen haben.

Er öffnet mir die Tür zu seiner Welt.
Sie ist voller Menschen und Moden,
die ich nicht kenne.

Seine Eignung für den Job ist zweifelhaft.
Referenzen fehlen ausnahmslos.
Die Entscheidung scheint schon klar.

Alle anderen hatten ihn schon abgewiesen.
Glatt und strebsam waren die Gewinner.
Er musste stets verlieren.

Sein eigenes Unglück rührt mich schon.
Doch auch ich werd es nicht ändern.
Kurz und knapp wird er beschieden.

Ich reiche ihm meine Hand
Unsere Blicke treffen sich.
Mit ehrlichem Bedauern.

Im Oktober 2016